Gratiskonten bereits jetzt vom Aussterben bedroht

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 06.12.2016

Im September hatte Sparkassen- und Giroverbands-Chef Georg Fahrenschon prognostiziert, dass es in einigen Jahren keine Gratiskonten bei Banken und Sparkassen mehr geben werde. Eine aktuelle Auswertung von Stiftung Warentest zeigt nun, dass sich der Sparkassenpräsident geirrt haben könnte.

Der Irrtum betrifft allerdings nicht die generelle Abnahme von Gratiskonten und damit die Zunahme von flächendeckenden Kontogebühren – die schreitet wie von Sparkassenverbands-Chef Fahrenschon prognostiziert weiter voran. Geirrt haben könnte sich der Sparkassenpräsident aber bei seiner zeitlichen Einschätzung. Die Zahl der Gratiskonten nimmt nämlich bereits jetzt rapide ab.

Zehn Banken wollen Gebühren noch 2016 erhöhen

Bei ihrer letzten Girokonten-Untersuchung im September konnten die Warentester immerhin noch 25 echte Gratiskonten ausmachen und 33 Konten, für die unter bestimmten Bedingungen, meist einem monatlichen Mindestgeldeingang, keine Kontogebühren anfielen. Seitdem haben allerdings bereits zehn Geldhäuser die Gebühren für ihre Girokonten angehoben oder angekündigt, noch in diesem Jahr an der Gebührenschraube zu drehen. 

Bei weiteren 24 Instituten ist bereits bekannt, dass sie planen, die Kontogebühren im kommenden Jahr zu erhöhen. Auch für komplett online geführte Konten fallen immer häufiger höhere Kontogebühren an, wie die jüngsten Preisanpassungen der Berliner Sparkasse und der Münchner Bank zeigen. Seit dem 1. Dezember kostet ein Onlinekonto bei der Hauptstadt-Sparkasse pro Monat drei Euro an Gebühren (zuvor zwei Euro), bei der Münchner Bank fallen 2,50 pro Monat an.

Banken setzen bei Kontogebühren auf verschiedene Modelle

Ein höherer monatlicher Grundpreis ist nur eine Möglichkeit der Institute, zusätzliche Einnahmen beim Geschäft mit den Girokonten zu generieren. Andere Geldhäuser verzichten auf eine fixe Kontoführungsgebühr, verlangen stattdessen jedoch Entgelte für Leistungen, die zuvor kostenlos waren, beispielsweise für Überweisungen auf Papier oder an SB-Terminals. Eine weitere Möglichkeit, die derzeit von vielen Banken genutzt wird, ist das Hochsetzen des monatlichen Mindesteingangs für Gratiskonten. 

Teurer wird es ab 1. Januar 2017 unter anderem bei folgenden Geldhäusern:

  • Kreissparkasse Köln: Hier steigen sowohl die monatlichen Grundpreise für alle vier Kontomodelle um jeweils einen Euro, zudem steigt der Preis für die Standard-Kreditkarte um vier Euro auf 24 Euro. Außerdem werden für Transaktionen am SB-Terminal beim Modell direktGiroClassic je 50 Cent erhoben.
  • Sparda-Bank in Hamburg und Hessen: Für Überweisungen in Papierform fallen ab dem Jahreswechsel Gebühren von 75 beziehungsweise 95 Cent an
  • Sparda-Bank Münster: An die Stelle des bisherigen Gratiskontos treten drei neue Kontomodelle. Für zwei fallen fixe monatliche Kontogebühren von 3,99 Euro beziehungsweise 5,99 Euro an, das Modell „Giro Online“ ist ohne Grundpreis zu haben. Muss ein Online-Nutzer allerdings einmal auf einen Überweisungsträger zurückgreifen, werden dafür 3,50 Euro fällig.
  • PSD Bank Berlin-Brandenburg: Bestandskunden müssen zunächst nur höher Portogebühren hinnehmen, ab 2018 erhöhen sich allerdings die Gebühren für Kreditkarten. Neukunden erhalten ab dem 1. Januar erst ab 1.000 Euro monatlichem Geldeingang ein Konto ohne monatliche Gebühr, ansonsten werden 5,00 Euro fällig.

Gratiskonten bei Direktbanken noch möglich

Noch gibt es allerdings auch einige komplett kostenlose Girokonten, die meist bei Direktbanken zu finden sind. Diese hatten im Frühjahr angekündigt, auf absehbare Zeit keine Gebühren auf ihre Girokonten erheben zu wollen. Wie lange die Direktbanken diese Ankündigung noch halten können, bleibt abzuwarten. 

Quellen: Stiftung Warentest, PSD Bank Berlin Brandenburg

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