Grauer Kapitalmarkt: Werbeanzeigen oft irreführend

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 20.05.2016

Investments in Diamanten als „härteste Währung der Welt“ oder in Windkraft als sichere Zukunft der Energiegewinnung – Anbieter am Grauen Kapitalmarkt locken potenzielle Kunden häufig durch Werbeanzeigen mit vollmundigen Versprechen. Die Grundsätze transparenter Werbung treten dabei oft in den Hintergrund: Auf Risiken wird kaum hingewiesen.

Anbieter am Grauen Kapitalmarkt weisen in Werbeanzeigen nicht ausreichend auf Anlagerisiken hin und locken Kunden nicht selten mit irreführenden Aussagen und unrealistisch hohen Gewinnversprechen. Zu diesem Schluss kommt die Verbraucherzentrale Hessen, die im Oktober und November 91 Produktwerbungen von Anbietern von Direktinvestments analysiert hat.

Grauer Kapitalmarkt: Werbeanzeigen verharmlosen Verlustrisiko

80 der 91 online und in Printmedien veröffentlichten Werbeanzeigen entsprachen dabei nicht den von den Verbraucherschützern aufgestellten Anforderungen für transparente Produktwerbung. Abgeleitet wurden diese Prüfkriterien aus bestehenden Gesetzen und gefällten Urteilen. In 77 Fällen wurden die Risiken der Anlage nicht ausreichend dargelegt oder verharmlost und die Vorteile einseitig hervorgehoben. In beinahe der Hälfte (43 Fälle) der untersuchten Werbeanzeigen wurde nicht auf die hohen Verlustmöglichkeiten hingewiesen, die der Graue Kapitalmarkt birgt. Bei den 48 Anzeigen, die einen Hinweis auf die Verlustrisiken enthielten, war dieser in 44 Fällen unauffällig oder sogar versteckt untergebracht.

Informierte Anlageentscheidung anhand von Werbeanzeigen kaum möglich

„Bei einigen Angeboten war nicht einmal erkennbar, um welche Art von Kapitalanlage es sich handelte oder in welches Produkt investiert werden soll“, sagte Wolf Brandes, Teamleiter des vom Bundesverbraucherschutzministerium geförderten Projekts „Marktwächter Finanzen“ der Verbraucherzentrale. Auf Basis der Werbeanzeigen sei es für Anleger schwierig, eine informierte Anlageentscheidung zu treffen, so die Verbraucherzentralen. „Viele Verbraucher, die am grauen Kapitalmarkt investieren, glauben ihr Geld in einer sicheren Anlage gut aufgehoben – nicht zuletzt, weil die Anbieter ein zu vorteilhaftes Bild von den Produkten zeichnen“, so Jutta Gelbrich, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen, gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Grauer Kapitalmarkt ist kaum reglementiert

Anders als bei herkömmlichen Geldanlagen gelten für das Bewerben von Anlagen am Grauen Kapitalmarkt kaum Reglementierungen. Während Banken bei der Werbung für ihre Anlageprodukte gesetzlich festgelegte Auflagen erfüllen müssen und verpflichtet sind, alle Eigenschaften des beworbenen Produkts zu beleuchten, gilt dies für Anbieter von Direktinvestments nicht. Am Grauen Kapitalmarkt locken Anbieter potenzielle Kunden mit Claims wie „hohe Rendite trifft geringes Risiko“ und üppigen Renditeversprechen bei gleichzeitigem „vollen Kapitalschutz“. Eine Einlagensicherung für Geldanlagen von Verbrauchern, wie sie für alle Banken in der Eurozone gesetzlich vorgeschrieben ist, gibt es bei Anbieter am Grauen Kapitalmarkt allerdings nicht.

40 Prozent Verlust für Anleger nach Prokon-Pleite

Eines der prominentesten Beispiele für die oftmals aggressive und irreführende Werbung von Anbietern am Grauen Kapitalmarkt ist der Fall des schleswig-holsteinischen Windenergieunternehmens Prokon. Das Unternehmen bewarb seine Genussscheine massiv mit Anzeigen in Bussen, Bahnen und sogar zur besten Sendezeit im Fernsehen. 75.000 Anleger, die insgesamt 1,4 Milliarden Euro in das Unternehmen investiert hatten, verloren der Verbraucherzentrale zufolge rund 40 Prozent ihres Kapitals durch die Insolvenz des Unternehmens.

Quellen: Markwächter Finanzen, Verbraucherzentrale Hessen, Frankfurter Allgemeine Zeitung

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