Gutachten: Bargeldgrenzen in der Kritik

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 07.04.2017

Ginge es nach einem Gutachten des Wirtschaftsministeriums, bliebe nur Bares Wahres. Die derzeit diskutierte Bargeldobergrenze soll eigentlich dabei helfen, kriminelle Machenschaften einzudämmen, doch steht sie nun in der Kritik, bürgerfeindlich zu sein. Während Befürworter die Lösung für Geldwäsche, Steuerhinterziehung und mafiose Strukturen sehen, lässt der wissenschaftliche Beirat von Wirtschaftsministerin Zypries kein gutes Haar an der Idee.

Seit längerer Zeit versprechen die Diskussionen um eine Bargeldobergrenze, die Lösung für Probleme wie Steuerhinterziehung oder Geldwäsche zu bieten. Doch ein Gutachten des Wirtschaftsministeriums zieht diese These jetzt in Zweifel. Entgegen der Stimmen von Befürwortern zeigt sich der wissenschaftliche Beirat von Bundeswirtschaftsministerin Zypries im Hinblick auf den Nutzen eher skeptisch.

Die Allzweckwaffe gegen Kriminalität?

Spätestens seit der US-Ökonom Kenneth Rogoff gegen Münzen und Scheine polemisierte, träumen viele von einer unkomplizierten Welt, in der Verbrechen viel seltener geschehen – weil das Bargeld fehlt. Statt Banknoten zu ziehen, kann blitzschnell mit Smartphone und Kreditkarte gezahlt werden, niemand kann mehr klauen und wenn doch, dann lässt sich das elektronisch leicht nachvollziehen. Die Debatte stellt viele Vorzüge wie ein Ende für teure Bargeldherstellung, Geldwäsche sowie Steuerhinterziehung und mehr Möglichkeiten zum elektronischen Ankurbeln der Wirtschaft mit Negativzinsen in Aussicht.

Skeptiker haben an diesem Wunschtraum schon lange Zweifel gehabt und die AfD prognostizierte mit ihrer „Bargeld lacht“-Initiative völlige Kontrolle und Enteignung. Doch ist es nun der wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums, der ein skeptisches Gutachten vorlegte. Das 50-seitige Dokument spricht sich deutlich gegen die Abschaffung des Bargeldes aus, bei der die Nachteile überwiegen sollen.

Mehr Nachteile als Vorzüge?

Die gelieferten Argumente beginnen schon bei der unkomplizierteren Zahlungsweise mit Bargeld. Hinzu kommt, dass so weniger Vertrauen erforderlich, aber mehr Selbstkontrolle möglich ist. Am wichtigsten dürfte jedoch die gewünschte Anonymität sein. Keine Bank und kein Empfänger, vom Supermarkt bis zum Großunternehmen, erfährt so etwas über die Zahlenden. Dadurch kann in Zeiten von Hackerangriffen besser Kontrolle über personenbezogene Daten gewahrt werden. Der Beirat nimmt die Bedrohung ernst und zeigt sich verständnisvoll für Bürger, die nicht ohne Bares leben wollen.

Umfragen zeigten unlängst, dass ein Großteil der Bevölkerung trotz Bitcoin und Co. ganz unkompliziert ins Portmonee greifen will. Selbst bei größeren Bargeldsummen, wie zum Beispiel beim Kauf eines Autos, hätten die Deutschen ein Recht auf Anonymität. Damit richtet sich der Beirat auch gegen die von Schäuble geforderte Grenze von 5.000 Euro. Der Beirat ist mit seiner Meinung nicht allein: So steht beispielsweise die Notenbank hinter dem Bargeld und erneuerte zuletzt den 50-Euro-Schein.

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Quellen: Zeit, SWR, FAZ

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