Heftige Kursverluste bei Bundesanleihen

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 15.05.2015

Sie gelten eigentlich als eine der sichersten Geldanlagen überhaupt: Bundesanleihen. Doch derzeit werden deutsche Staatsanleihen massenhaft abgestoßen. Rekordverdächtige Kursverluste und sprunghaft steigende Renditen sind die Folge. Der Ausverkauf der Bundesanleihen könnte auch auf Verbraucher spürbare Auswirkungen haben.

Deutsche Staatsanleihen erleben aktuell einen nie da gewesenen Kursverlust. Die „Welt“ spricht bereits von „einem der größten Bond-Crashs aller Zeiten“.

Rasanter Anstieg der Renditen für zehnjährige Bundesanleihen

Dementsprechend rasant sind die Renditen gestiegen. Seit Ende April ist der Zins für deutsche Staatsanleihen um das Fünffache gestiegen. Zwischenzeitlich wurde von Investoren für zehnjährige Bundesanleihen Zinsen von 0,78 Prozent verlangt. Dies ist der höchste Zinsstand seit Dezember 2014. Erst Mitte April hatte eben diese Anleihe mit einer Rendite von 0,05 Prozent ein historisches Tief erreicht.

Bundesanleihen eine der sichersten Geldanlagen weltweit

Generell gelten Staatsanleihen als sehr stabile Anlagen. Insbesondere die deutschen Bundesanleihen hatten bislang den Ruf, zu den sichersten Anlageformen weltweit zu zählen. Daher wurden sie gerne Depots beigemischt, um die Risikostreuung zu erhöhen. Auch große Institutionen wie Pensionskassen und Lebensversicherungen legen Beiträge in erster Linie in Staatsanleihen an. Aufgrund der damals extrem niedrigen Zinsen auf Staatsanleihen hatten Ende April bereits Ratingagenturen Alarm geschlagen, dass Versicherer ernsthafte Finanzierungsprobleme bekommen könnten. Bundesanleihen sind mit dem Toprating AAA bewertet und gelten daher als Messlatte für den gesamten europäischen Raum. Experten sind von den massiven Kursverlusten deutscher Staatsanleihen daher durchaus überrascht. „Die aktuelle Korrektur bei den zehnjährigen Bundesanleihen trägt eindeutig Züge einer Panik“, sagte Stéphanie Aymes, Analystin der Société Générale der „Welt“.

Kursverfall kann Auswirkungen auf Verbraucher haben

Auf Verbraucher könnte der Ausverkauf der Bundesanleihen spürbare Auswirkungen haben – auch wenn sie selbst keine Wertpapiere besitzen. Die Renditen für Staatsanleihen bestimmen zu einem nicht unerheblichen Teil die Konditionen für Baufinanzierungen und Kredite. Dennoch wollen viele Experten noch nicht von einem Ende des Zinstiefs sprechen. „Es ist verfrüht, jetzt die Zinswende auszurufen“, meint Björn Siegismund, Chefstratege der Vermögensverwaltung Laransa PWM. Aufgrund des Anleihenkaufprogramms der Europäischen Zentralbank, das noch bis September 2016 laufen wird, sieht er den Zeitpunkt für dauerhaft höhere Zinsen noch nicht gekommen.

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