ifo-Institut: Ökonomen fordern steuerliche Entlastungen

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 03.05.2017

Ginge es nach der Mehrzahl deutscher Wirtschaftswissenschaftler, müssten die Steuern deutlich sinken. Zu diesem Schluss kommt eine Umfrage des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung ifo. Insbesondere im Feld des mittleren Einkommens sehen die Ökonomen die Belastungen zu hoch. Bundesfinanzminister Schäuble bezeichnete die Steuern hingegen unlängst als niedrig.

Während die Steuerlast laut Bundesfinanzminister Wolfang Schäuble eher niedrig ist, sprechen sich Ökonomen für deutliche Senkungen aus. Die Mehrzahl der deutschen Wirtschaftswissenschafter fordert laut einer Umfrage des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo) steuerliche Entlastungen. Besonders hoch seien die Steuern im Feld der mittleren Einkommen.

Forderung nach weniger Abgaben

Das Institut für Wirtschaftsforschung in München hat gemeinsam mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ 110 deutsche Wirtschaftswissenschafter befragt. In dieser Umfrage sprachen sich die Ökonomen mehrheitlich für Steuersenkungen aus. Die Last für Haushalte mit mittleren Einkommen wurde von 60 Prozent der Befragten als „zu hoch“ eingestuft. Mehr als 61 Prozent forderten geringere Belastungen für alle Steuerzahler. Als besonders unbeliebt stellte sich der Solidaritätszuschlag heraus, für dessen ersatzlose Streichung sich die Mehrheit aussprach. Nur jeder vierte Wirtschaftsexperte sieht keinen Handlungsbedarf bei der Steuersituation der Deutschen. 

Für ein Drittel der Befragten aus dem Ökonomenpanel liegt das ideale jährliche Entlastungsvolumen bei 20 bis 30 Milliarden Euro, für ein Viertel von ihnen bei 10 bis 20 Milliarden. Am meisten Anklang fand die flexible Einkommensteuer, die je nach Geldentwertung angepasst wird. Immerhin drei Viertel der Experten befürworteten diesen „Tarif auf Rädern“, der die kalte Progression beenden würde. Bei dieser rutschen Steuerpflichtige durch steigende Einkommenssteuern und Inflationsraten in immer höhere Steuertarife – ganz ohne Anstieg der eigenen Kaufkraft.

Zu wenig oder zu viel?

Als zu Anfang des Jahres Rufe nach Steuersenkungen laut wurden, hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble jährliche Entlastungen von 15 Milliarden Euro angekündigt. Doch dieses Wochenende schien die Äußerung vergessen, die in einem Interview durch die Diagnose einer zu niedrigen Steuerlast ersetzt wurde. Schäubles Einschätzung steht damit im direkten Gegensatz zur Experten-Mehrheit der ifo-Umfrage. 

Doch auch für Niklas Potrafke, den Leiter des ifo Zentrums für öffentliche Finanzen und politische Ökonomie, stellt sich die Frage nach der Finanzierung einer Reform. Während ein Großteil der Ökonomen bei der Umfrage den Mittelstand übervorteilt sieht, sprach sich nur jeder sechste Wirtschaftswissenschaftler für eine Senkung des Spitzensteuersatzes aus. Die breite Mehrheit hält die Schwelle mit 54.000 Euro Jahreseinkommen allerdings für zu niedrig angesetzt.

Weitere Meldungen im Überblick

  • Griechenland-Lösung: Nach monatelangen Verhandlungen hat sich Griechenland laut Finanzminister Tsakalotos bezüglich der Staatsverschuldung mit seinen Geldgebern geeinigt. Die Renten und Freibeträge werden gekürzt, dafür fließen neue Kredite nach Athen.
  • Änderungen im Mai: Der Mai bringt Änderungen für Verbraucher. Beispielsweise enthalten E-Zigaretten weniger Nikotin, die Mindestlöhne für Maler und Lackierer steigen und die Telekom erhöht den Preis für den Festnetzanschluss.
  • Dax vor Rekordhoch: Die Anleger zeigen sich zuversichtlich und der Dax kratzt, nur wenige Punkte entfernt, am Allzeithoch. Zum Handelsstart nach dem langen Mai-Wochenende deutet alles auf einen Wert zwischen 12.400 und 12.500 Punkten.

Quellen: Welt, Handelsblatt, Deutsche Welle

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