Immer mehr Beschäftigte arbeiten in Teilzeit

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 29.04.2017

In den letzten zwanzig Jahren ist die Zahl der Vollzeitbeschäftigten hierzulande von rund 25,9 Millionen auf 24 Millionen gesunken. Gleichzeitig steigt die Teilzeitquote deutlich an: 1996 waren rund 8,3 Millionen Arbeitnehmer in Teilzeit beschäftigt, im vergangenen Jahr waren es mit 15,3 Millionen beinahe doppelt so viele. Die Linke kritisiert den arbeitnehmerunfreundlichen Wandel.

Die Beobachtungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg machen deutlich, dass der deutsche Arbeitsmarkt einen strukturellen Wandel vollzieht. Seit 1991 ist die Teilzeitquote von 17,9 Prozent auf 39 Prozent im Vorjahr angestiegen, während die Anzahl der Vollzeitbeschäftigten parallel dazu sinkt. Auf diese Zahlen aus der Forschungsagentur der Bundesagentur für Arbeit machte die Linke-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann anlässlich des Tages der Arbeit am 1. Mai aufmerksam.

Veränderungen im deutschen Arbeitsmarkt

Neben der Teilzeitquote steigt auch die Anzahl der Personen mit Nebenjob drastisch an. 1991 hatten 900.000 Menschen einen Nebenjob, bis 2016 stieg ihre Zahl auf rund drei Millionen an. Damit verändert sich auch die Gesamtzahl der Arbeitnehmer, die 1991 bei 35,2 Millionen Beschäftigten lag. Im Vorjahr waren es 39,3 Millionen.

In Berlin äußerte sich Linken-Politikerin Zimmermann zu den Zahlen: „Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahrzehnten strukturell deutlich gewandelt, weg vom Normalarbeitsverhältnis in Vollzeit, hin zu in vielen Fällen nicht existenzsichernder und unfreiwilliger Teilzeit und Nebenjobs, um über die Runden zu kommen.“ Das „vermeintliche deutsche Jobwunder“ bedeute für viele Angestellte eine prekäre Beschäftigung. Die Bundesregierung versage gegenüber dem Problem, dass viele Menschen trotz Arbeit arm seien, auf ganzer Linie.

Arbeitgeber weisen Kritik zurück

Dass Teilzeitarbeit ein Ausdruck prekärer Beschäftigung sei, wiesen die Arbeitgeber wiederholt zurück. Ihr Verband BDA betonte, dass die Beschäftigung in Teilzeit nach einer familiären Auszeit die Rückkehr ins Erwerbsleben befördere und die Erwerbsbiografien vor allem von Frauen dadurch gestärkt würden. „Rund 87 Prozent der Frauen und 76 Prozent der Männer gehen freiwillig einer Teilzeitbeschäftigung nach“, teilte die BDA unter Berufung auf das Statistische Bundesamt mit.

Auch in der großen Koalition wird derzeit über Regelungen zur Teilzeitarbeit gestritten. Ein Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), der ein neues Recht auf befristete Teilzeit und Rückkehr in die Vollzeitbeschäftigung vorsieht, liegt wegen Differenzen zwischen Union und SPD vorerst auf Eis. Am 1. Mai spricht Nahles mit DGB-Chef Reiner Hoffmann bei der Hauptkundgebung zum Tag der Arbeit in Gelsenkirchen.

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Quellen: Handelsblatt, n-tv, Bild

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