Widerrufsrecht bei Immobilienkrediten ungeklärt

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 25.06.2015

Viele Kunden, die in der Hochzinsphase einen Immobilienkredit abgeschlossen haben, können diesen bei fehlerhaften Klauseln widerrufen. In dieser Woche wollte der Bundesgerichtshof (BGH) ein Grundsatzurteil zu diesem „Widerrufsjoker“ fällen. Obwohl ein Vergleich, also eine außergerichtliche Einigung zwischen Klägern und Banken, dies verhinderte, können Kreditnehmer weiterhin hoffen, aus ihren teuren Darlehensverträgen herauszukommen.

Viele Bankkunden, die zwischen 1. November 2002 und 11. Juni 2010 einen Immobilienkredit abgeschlossen haben, können diesen unter Umständen anfechten. Grund ist, dass die Widerrufsbelehrung in vielen Fällen fehlerhaft war. In diesem Zusammenhang wurde für diese Woche ein Grundsatzurteil des BGH (IX ZR 154/14) erwartet. Es sollte Klarheit darüber bringen, ob Immobilienkredite auch dann widerrufen werden können, wenn sie bereits vor Jahren zurückgezahlt wurden. 

Vergleich verhindert Urteil zum Widerufsrecht

Wie das „Handelsblatt“ berichtet, haben sich Banken und Kläger jedoch auf einen Vergleich geeinigt. Ein Urteil aus Karlsruhe ist damit nicht mehr notwendig. Anlegeranwälte wollten diese außergerichtliche Einigung bis zur letzten Minute verhindern. Sie hätten dem Kläger sogar finanzielle Unterstützung angeboten, hätte er das Vergleichsangebot ausgeschlagen, wie Julius Reiter von der Kanzlei Baum Reiter & Collegen gegenüber der Wirtschaftszeitung bestätigte.

Betroffene können Immobilienkredit anfechten

Verbraucher mit einem Immobilienkredit aus der Hochzinsphase können dennoch weiter hoffen. Kläger-Anwalt Richard Lindner sagte dem „Handelsblatt“, dass beim BGH in den nächsten Monaten wohl eine weitere Entscheidung in einer ähnlichen Angelegenheit anstehe. Eine Studie der Verbraucherzentrale Hamburg hat unabhängig von dem Gerichtsverfahren ergeben, dass fast sieben von zehn Baugeldverträgen aus den Jahren 2002 bis 2010 fragliche Widerrufsklauseln beinhalten.

Interessant ist die Auflösung dieser Altverträge, weil die Zinsen zur fraglichen Zeit deutlich höher waren als derzeit. So erreichte der Zinssatz bei einer Laufzeit von zehn Jahren 2008 einen Höhepunkt von über fünf Prozent und ist seither auf aktuell rund ein Prozent gefallen. Wer einen damals abgeschlossenen Kreditvertrag widerrufen kann, könnte von der aktuellen Niedrigzins-Politik profitieren und eine neue Baufinanzierung abschließen, ohne eine Vorfälligkeitsentschädigungen zahlen zu müssen.

Kunden, die es in Betracht ziehen, ihren Immobilienkredit anzufechten, sollten sich jedoch bereits vorher um eine verbindliche neue Kreditzusage bemühen. Der Kredit muss nämlich innerhalb von 30 Tagen abgelöst werden, damit keine Zwangsversteigerung des Eigenheims droht. 

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