IW-Studie warnt: Wirtschaftsschwäche durch Überalterung

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 11.07.2017

Steigende Löhne und Renten, volle Haushaltskassen und ein Beschäftigungsniveau auf Rekordhoch: Deutschlands Wirtschaft steht in voller Blüte. Doch der Standort wird durch die Alterung der Gesellschaft massiv gefährdet, warnt jetzt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Wenn die Erwerbsbevölkerung weiter schrumpft, während die Zahl der Rentner steigt, droht sich das Wachstum zu halbieren - mit deutlichen Folgen für den Wohlstand der Deutschen.

Trotz hoher Löhne, anziehender Renten, Haushaltsüberschüssen und Beschäftigungsrekorden bedroht die zunehmende Alterung der Gesellschaft den Standort Deutschland. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hat ergeben, dass sich das derzeit blühende Wirtschaftswachstum halbieren wird, wenn immer mehr Rentner weiter auf immer weniger Erwerbstätige treffen. Diese Entwicklung hätte massive Auswirkungen auf den Wohlstand der Bevölkerung.

Demographie gegen Wachstum

Die Schere zwischen weniger Erwerbstätigen und mehr Senioren droht das Wirtschaftswachstum zu halbieren. „Die demografische Entwicklung wird die Wachstumsaussichten der Volkswirtschaft verschlechtern“, kündigt IW-Chef Michael Hüther an. Laut der Berechnungen des Instituts wird sich der Anteil der über 67-Jährigen von 17,7 auf 25,8 Prozent im Jahre 2035 steigern. 

Der Anteil der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter hingegen schrumpfte in den vergangenen Jahren trotz starker Zuwanderung um fünf Prozent. Große Lücken im Arbeitsmarkt hinterlassen in der Prognose vor allem die Jahrgänge der Babyboomer-Generation. So würde das jährliche Wachstumspotenzial aus Expertensicht von 1,7 auf 0,7 Prozent reduziert.

Die Frage der Lösungsansätze

Setze hier allerdings eine kluge Wirtschaftspolitik an, könne der Wachstumseinbruch aufgefangen werden. Dazu müsse die „demographische Vorsorgepolitik“ jedoch viele Politikfelder umfassen. Die Studie „Perspektive 2035 – Wirtschaftspolitik für den demografischen Übergang“ sieht die Rente mit 68, eine Gründeroffensive und mehr Investitionen in Bildung, Digitalisierung und Infrastruktur vor. Nichts zu tun käme laut IW-Direktor alle teuer zu stehen. Um die chronische Wachstumsschwäche zu verhindern, sollte vor allem das Arbeitskräftereservoir besser ausgeschöpft werden. 

Ein besseres Betreuungsangebot würde Frauen die Balance von Beruf und Familie erleichtern, räumlich und zeitlich flexible Beschäftigungsmöglichkeiten ein Verlängern der Arbeitszeit für alle Erwerbstätigen attraktiver machen. Auch die Zuwanderung spiele eine große Rolle. Mit guter Integration, Qualifizierung und Steuerung der Zuwanderung, könne der Arbeitsmarkt entlastet werden. Ohne entsprechende Maßnahmen bleibe die Entwicklung nicht ohne erheblichen Folgen für die Staatskasse und letztlich auch die Bevölkerung. Bis 2035 prognostiziert die Studie den Anstieg von Pflege, Rente und gesetzlicher Krankenversicherung um 50 Prozent über dem heutigen Niveau. Zu längeren Arbeitszeiten kämen dann erhebliche Einbußen beim Einkommen und Wohlstand der Deutschen.

Weiter Meldungen im Überblick

  • Männerdomäne Vorstand: Zwar wird es in den Vorständen deutscher Konzerne weiblicher, doch überwiegt weiter der Männeranteil. Bleibt es bei dieser Entwicklung, dauert die Besetzung der Vorstandsposten mit einer Frauenquote von 30 Prozent bis 2040.
  • Aussage von Audi-Manager: Der zur Aufklärung des Abgasskandals bei der VW-Tochter verhaftete Audi-Manager will scheinbar mit den Ermittlern kooperieren. Der inhaftierte war einer der führenden Motorenentwickler im Unternehmen.

Quellen: Welt, Focus

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