Jeder zehnte Bundesbürger ist überschuldet

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 14.11.2016

Eigentlich geht es den Deutschen gut. Die Arbeitslosigkeit ist auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren und die Konjunktur entwickelt sich stabil. Dennoch steigen die Schulden. Jeder zehnte Bundesbürger ist inzwischen überschuldet. Dabei lassen sich die Deutschen durch die niedrigen Zinsen nicht zu leichtfertigen Kreditaufnahmen verleiten – ganz im Gegenteil sogar.

6,8 Millionen Bundesbürger sind aktuell überschuldet. Dies geht aus dem aktuellen Schuldneratlas der Auskunftei Creditreform hervor. Damit hat die Überschuldung hierzulande nun bereits im dritten Jahr in Folge zugenommen. Am 1. Oktober 2016 lag die Überschuldungsquote bei 10,06 Prozent – mehr als jeder zehnte Bundesbürger über 18 Jahre steckt also tief in der Schuldenfalle.

Weiterer Anstieg der Überschuldung wahrscheinlich

Exakt ein Jahr zuvor lag die Überschuldungsquote noch bei 9,92 Prozent. In konkreten Zahlen bedeutet dies, dass aktuell 131.000 Personen mehr massive Probleme haben ihre Schulden zurückzuzahlen als vor einem Jahr. Dieses Plus um beinahe zwei Prozent überstieg die Erwartungen der Studienautoren. Dennoch scheint das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Auch für 2017 geht Creditreform-Vorstand Helmut Rödl von einem weiteren Anstieg der privaten Überschuldung in Deutschland aus. Insgesamt stehen die überschuldeten Deutschen mit 235 Milliarden Euro bei ihren Gläubigern in der Kreide.

Deutlich mehr Bundesbürger dauerhaft verschuldet

Besonders alarmierend dabei: Den Zuwachs machen Verbraucher aus, die extrem hoch verschuldet sind – die Studienautoren sprechen von Fällen mit hoher Überschuldungsintensität, bei denen viele Negativmerkmale, vor allem auch gerichtliche Sachverhalte wie eidesstattliche Versicherungen oder eine Privatinsolvenzen, vorliegen. Die Anzahl der Schuldner mit „geringer Überschuldungsintensität“ – dies bedeutet wenige Negativmerkmale, aber mindestens zwei Mahnungen verschiedener Gläubiger – ist hingegen rückläufig. „Dieser Befund ist besorgniserregend, da offensichtlich immer mehr Verbraucher in Deutschland in eine dauerhafte Überschuldungsspirale geraten sind“, so die Einschätzung der Studienautoren. Rund 4,17 Millionen Bundesbürger sind derzeit von dauerhafter Überschuldung betroffen.

Westdeutschland holt bei Überschuldung auf

Nach wie vor sind im Osten Deutschlands mehr Menschen überschuldet als im Westen, die Überschuldungsquote liegt in Ostdeutschland (Berlin ausgenommen) aktuelle bei 10,43 Prozent, in Westdeutschland bei 10,00 Prozent. Doch der Abstand schwindet immer weiter. Wie bereits in der Vorjahresuntersuchung nahmen auch 2016 die Fälle starker Überschuldung in den westdeutschen Bundesländern stärker zu als in den ostdeutschen. Zudem schafften es im Osten mehr gering Verschuldete aus der Schuldenspirale auszubrechen als im Westen.

Auslöser für Schulden im Wandel

Die Gründe, warum Verbraucher Schulden anhäufen, haben sich im letzten Jahr gewandelt. Es waren allerdings nicht etwa die dank des Zinstiefs sehr günstigen Kredite, die Verbraucher in finanzielle Schieflage gebracht haben. Die niedrigen Zinsen verleiten die Bundesbürger keineswegs dazu, über ihre Verhältnisse zu leben. Aufgrund der guten wirtschaftlichen Lage sind ökonomische Gründe als Auslöser für Überschuldung in den Hintergrund getreten, wie Daten des Statistischen Bundesamts zeigen: 2015 ließ sich noch jeder fünfte Fall von Überschuldung auf Arbeitslosigkeit zurückführen, hinter acht Prozent standen gescheiterte Selbstständigkeiten. Stark in den Vordergrund getreten sind hingegen unvorhersehbare Schicksalsschläge wie Erkrankungen oder Sucht. Auch Unfälle können schnell zu hohen Schulden führen, wenn Verbraucher nicht durch eine Unfallversicherung finanziell abgesichert sind. 

Quelle: Creditreform

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