Kartenzahlungen weltweit auf neuem Höchststand

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 30.09.2016

„Ich zahle mit Karte!“. Während diese Ansage im Bargeldland Deutschland gelegentlich immer noch für genervtes Augenrollen in den Kassenschlangen sorgt, ist bargeldloses Bezahlen weltweit auf dem Vormarsch. Im vergangen Jahr gab es so viele Kartenzahlungen wie nie zuvor. Dazu beigetragen haben dürfte eine neue Technologie.

Insgesamt 20 Billionen US-Dollar, umgerechnet mehr als 17,8 Billionen Euro, wechselten 2014 weltweit per Kartenzahlung den Besitzer. Das entspricht knapp einem Fünftel des globalen Bruttosozialprodukts. Dies geht aus einer aktuellen Untersuchung des Londoner Beratungsunternehmens Retail Banking Research (RBR) hervor. Demnach ist das Volumen der Kartenzahlungen seit 2010 um beinahe 50 Prozent gestiegen – damals wurden nur rund 11 Billionen Dollar per Karte umgesetzt.

Durchschnittlich fast drei Karten für bargeldloses Zahlen pro Kopf

Auch die Zahl der sich im Umlauf befindlichen Karten ist seitdem deutlich gestiegen: von 7,9 Milliarden auf rund 12 Milliarden Karten weltweit im Jahr 2014. Der Untersuchung zufolge liegt die Pro-Kopf-Anzahl an Debit- und Kreditkarten weltweit bei durchschnittlich 2,7 pro Erwachsenem. Es existieren allerdings deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen und Ländern. Insbesondere in China verzeichnet das bargeldlose Bezahlen per Karte rasante Zuwächse, nicht nur bezüglich der Zahl der Transaktionen, auch die Beträge, die per Karte gezahlt werden, fallen hier höher als im Rest der Welt aus.

Insgesamt haben Kartenzahlungen in der Asien-Pazifik-Region 2014 um ein Viertel zugenommen. Bis 2020 gehen die Verfasser der Studie von jährlichen Zuwächsen in Höhe von 15 Prozent aus. Zuwächse von 18 bis 20 Prozent gibt es auch in Afrika, Lateinamerika und dem Nahen Osten. Teilweise werben Regierungen massiv für Kartenzahlungen, um den Umlauf von Bargeld zu reduzieren, wie beispielsweise in Thailand. Diverse Kampagnen sollen den Handel dazu bewegen, bargeldloses Bezahlen anzubieten.

Weitere Zuwächse für Kartenzahlungen in Schwellenländern erwartet

Die Schwellenländer haben nach Einschätzung der Experten nach wie vor großes Wachstumspotenzial was Kartenzahlungen betrifft, da diese dort noch vergleichsweise wenig verbreitet sind. So besitzen Erwachsene in Afrika und im Nahen Osten im Schnitt nur 1,6 Karten. Zum Vergleich: In den USA, dem Kreditkartenland schlechthin sind es 6,3 Karten pro Person. Zum Plus der Kartenzahlungen hat nach Einschätzung der Studienautoren vor allem die Möglichkeit zur kontaktlosen Zahlung bei neuen Kartengenerationen beigetragen.

Nicht nur Deutsche bevorzugen Debitkarten beim bargeldlosen Zahlen

Die Bundesbürger stehen der Zahlung per Kreditkarte traditionell eher skeptisch gegenüber, obwohl sich deren Akzeptanz in den vergangenen Jahren deutlich verbreitet hat. Sie nutzen beim bargeldlosen Bezahlen lieber die Bankkarte zu ihrem Girokonto. Obwohl Kreditkarten in anderen Ländern deutlich verbreiteter sind als hierzulande, sind die sogenannten Debitkarten wie die deutschen Girokarten weltweit mit einem Anteil von 62 Prozent das beliebteste bargeldlose Zahlungsmittel.

Kreditkarten auf dem absteigenden Ast

Auf Kreditkarten entfallen nur 23 Prozent der Kartenzahlungen – Tendenz fallend. Während die RBR-Experten in den kommenden Jahren weitere Zuwächse bei Debitkarten erwarten, gehen sie davon aus, dass Kreditkarten im Jahr 2020 nur noch ein Fünftel der Kartenzahlungen ausmachen werden. Verantwortlich dafür seien unter anderem geringe Kreditlinien, ein eher schlechtes wirtschaftliches Klima und versteckte Gebühren. Die kürzlich von der EU eingeführte Gebührendeckelung für Kartenzahlungen loben die Studienautoren zwar, ihre Auswirkungen sind in der aktuellen Ausgabe der Untersuchung jedoch noch nicht berücksichtigt. Sogenannte Prepaid-Karten, die gegen Bargeld im Handel erworben werden können, spielen mit einem Anteil von fünf Prozent an den Kartenzahlungen weltweit nur eine untergeordnete Rolle.

Quelle: Retail Banking Research

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