Knapp die Hälfte der Mini-Jobber erhält keinen Mindestlohn

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 31.01.2017

Er sollte finanzielle Erleichterung für Millionen geringfügig Beschäftigte bringen – doch der zu Beginn 2015 festgeschriebene Mindestlohn besteht häufig nur auf dem Papier. Eine neue Studie zeigt, dass im Einführungsjahr nur knapp die Hälfte der Mini-Jobber den gesetzlichen Lohn erhielt. Obwohl dieser inzwischen auf 8,84 Euro hochgesetzt wurde, kam 2015 jeder fünfte der 7,4 Millionen geringfügig Beschäftigten nur auf einen Stundenlohn von unter 5,50 Euro.

2015 wurde der Mindestlohn in Höhe von 8,50 festgelegt und sollte über sieben Millionen geringfügig Beschäftigte in Deutschland umfassender entlohnen. Seit Anfang dieses Jahres beläuft sich der von Arbeitgebern zu entrichtende Betrag auf 8,84 Euro. Aus einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts geht nun hervor, dass nur knapp die Hälfte der Mini-Jobber von der gesetzlichen Lohnvorgabe profitiert. Im Jahr der Einführung erhielt darüber hinaus jeder fünfte Mini-Jobber einen Stundenlohn von unter 5,50 Euro.

Studie zeigt Löhne weit unter Mindestniveau

Die Studie des WSI der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung lässt keine Zweifel an der mangelnden Entlohnung. Laut Aussagen der Studienautoren, die der Süddeutschen vorliegen, sei die Lohnvorgabe bei Mini-Jobs noch nicht flächendeckend zur Anwendung gekommen. Die Zahl der geringfügig Beschäftigten liegt derzeit bei knapp 7,4 Millionen, von denen die Tätigkeit für nahezu 4,8 Millionen die Haupttätigkeit darstelle. Wie viele Mini-Jobber genau betroffen sind, wird nicht vollständig geklärt, doch dürfte es sich um einige Millionen handeln.

Die Forscher hatten für ihre Studie das Panel Arbeitsmarkt und soziale Sicherung sowie das sozioökonomische Panel ausgewertet. Zu diesem Zweck befragten sie zunächst 27.000 und anschließend 13.000 Personen zur ihrer Arbeits- und Lebenssituation. Dabei wurde ein Ausschluss von Personen angestrebt, die nicht dem Mindestlohn, sondern branchenspezifischen Grenzen unterliegen. Zu diesen zählen beispielsweise Friseure und Zeitungszusteller, aber auch Langzeitarbeitslose, Auszubildende oder Praktikanten.

Keine Verbesserungen durch Mindestlöhne

Die Ergebnisse der Forscher zeichnen ein negatives Bild des Mindestlohns, der die Situation der Mini-Jobber nur teilweise verbessert hätte. Dies lasse Rückschlüsse darauf zu, dass Arbeitgeber die Zahlungen langsam oder gar nicht anpassen. In Arbeitsverträgen seien zum Teil längere Arbeitszeiten vereinbart, die den Verdienst so rechnerisch unter 8,50 Euro pro Stunde halten.

Diese Missstände können nur durch strengere Kontrollen und mehr Initiative von Mini-Jobbern behoben werden. Verträge, die Arbeitszeiten bei gleichem Lohn anheben, sollten nicht unterschrieben und die tatsächlichen Zeiten dokumentiert werden. Bei Nichteinhaltung könnten ehemalige Arbeitgeber auch noch drei Jahre nach der Beschäftigung belangt werden.

Quellen: Süddeutsche Zeitung, Spiegel, Welt

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