Konzept der Deutschland-Rente spaltet die Meinungen

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 17.01.2016

Die „Deutschland-Rente“ sorgt derzeit für Diskussionsstoff. Anlageexperten halten das Konzept, mit einem staatlichen Rentenfonds für das Alter vorzusorgen, zum Teil sogar für kontraproduktiv. Die Politik hingegen betrachtet eine staatlich organisierte Altersvorsorge als interessanten Ansatz, auch wenn ihre konkrete Ausgestaltung wohl noch überdacht werden muss.

Der Entwurf für die sogenannte „Deutschland-Rente“, mit der drei hessische Landesminister der Altersarmut vorbeugen wollen, ist gerade erst vorgelegt – und schon scheiden sich die Geister an dem Konzept einer staatlich organisierten, zusätzlichen Altersvorsorge. Während Grüne und die Koalitionsparteien dem Entwurf grundsätzlich wohlwollend gegenüberstehen, kritisieren der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zufolge einige Fachleute die Idee aufs Schärfste.

Deutschland-Rente „im Grundsatz interessanter Vorschlag“ mit Diskussionsbedarf

Union, SPD und Grüne bewerten das Konzept einer transparenten, leicht verständlichen Altersvorsorge ohne Gewinninteresse der Anbieter als positiv. „Der Kern, eine marktferne und gemeinwohlorientierte Anlagemöglichkeit zu schaffen, ist gut“, lautet beispielsweise die Einschätzung von Katja Mast, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion.

Laut dem CDU-Rentenexperten Peter Weiß sei mit der staatlich organisierten Deutschland-Rente ein „im Grundsatz interessanter Vorschlag“ vorgelegt worden, wenngleich er bezüglich der konkreten Umsetzung noch Diskussionsbedarf sehe. Die Grünen überlegen, Grundzüge der Deutschland-Rente in ein neues Rentenkonzept einfließen zu lassen, das sie im Laufe des Jahres vorlegen wollen.

Automatische Beitragszahlung durch Arbeitgeber heikel

Das Konzept der Deutschland-Rente sieht vor, dass Vorsorgebeiträge von den Arbeitgebern automatisch an einen staatlichen Rentenfonds, den sogenannten „Deutschlandfonds“ überwiesen werden. Insbesondere gering verdienende Arbeitnehmer, die besonders stark von Altersarmut bedroht sind, sollen so zu zusätzlicher Altersvorsorge gebracht werden. Um die Beiträge zur Deutschland-Rente nicht zahlen zu müssen, beispielsweise weil andere Vorsorgeprodukte bevorzugt werden, müssten Arbeitnehmer selbst aktiv werden und einen entsprechenden Antrag stellen. Dieses Prinzip der Beitragszahlung sorgt für Kritik, da es die Deutschland-Rente in die Nähe einer Zwangsrente rückt.

Staatlicher Rentenfonds nicht individualisierbar und missbrauchsgefährdet

Als problematisch sehen Anlageexperten auch den zentral verwalteten Rentenfonds. Beitragszahler wären damit komplett der einheitlichen staatlichen Anlagepolitik ausgesetzt. Bei der Deutschland-Rente besteht keine Möglichkeit, eine dem jeweiligen Lebensabschnitt angepasste Anlagestrategie mit jeweils entsprechender Risikostruktur und Renditechancen zu verfolgen. Derartige Lebenszyklusmodelle sind nach Einschätzung des langjährigen Geschäftsführers des Bundesverbands deutscher Investment- und Asset-Managementgesellschaften (BVI), Manfred Laux, jedoch von zentraler Bedeutung für eine moderne Altersvorsorge. Er hält die Deutschland-Rente mit einem zentral verwalteten Rentenfonds daher für kontraproduktiv.

Einig sind sich Anlageexperte Laux und CDU-Politiker Weiß darin, dass ein milliardenschwerer staatlicher Rentenfonds möglicherweise zu politischen Begehrlichkeiten führen könnte. „Die Gefahr des staatlichen Missbrauchs des von breiten Bevölkerungsgruppen eingezahlten Kapitals ist nicht von der Hand zu weisen – wie die fortdauernde Nutzung der Sozialkassen für versicherungsfremde Leistungen deutlich werden lässt“, sagte Laux der „FAZ“. Nach Einschätzung von Weiß sei es „sehr problematisch“, die gesetzliche Rentenversicherung mit der Verwaltung eines solchen Fonds zu beauftragen.

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