Krankenkassen erzielen Überschuss von über 1 Milliarde Euro

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 13.09.2017

Die gesetzlichen Krankenkassen erzielten in den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 einen Überschuss, der fast doppelt so hoch ist wie der im vergangenen Jahr. Hauptgrund für dieses Wachstum sind die längst nicht so stark gestiegenen Ausgaben wie ursprünglich geschätzt – besonders im Bereich der Klinikbehandlungen. Kritik gibt es dabei von vielen Seiten. Die Ausgabenplanung der Krankenkasse wurde auf Basis des Schätzerkreises gebildet. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) beschuldigte die Krankenkassen, dieses Instrument zu missbrauchen, um mehr Überschuss zu erwirtschaften. Die gesamten Finanzreserven der Kassen liegen nun bei 17,5 Milliarden Euro.

Mit einem Überschuss von 1,4 Milliarden Euro verkündeten die gesetzlichen Krankenversicherer einen überraschend hohen Überschuss im ersten Halbjahr. Für das Wachstum auf 17,5 Milliarden Euro Reserven trotz höherer Ausgaben werden die gestiegenen Beiträge verantwortlich gemacht. Diese wurden aufgrund der Prognosen des Schätzerkreises gebildet – ein Instrument der Krankenkassen. Experten der Dienstleister beschuldigen die Krankenkassen nun eines Missbrauchs des Schätzerkreises, um höhere Einnahmen zu erwirtschaften.

Kritik an erhöhten Werten des Schätzerkreises

Die Basis der Werte, auf denen die Krankenkasse sich bezieht, stößt auf Kritik. Der Schätzerkreis hatte im Oktober vergangenen Jahres noch einen Zuwachs von 4,9 Prozent prognostiziert. Die tatsächlich eingetretenen 3,7 Prozent sind davon weit entfernt. Der Schätzerkreis berechnet auf Basis der amtlichen Statistiken die Grundlage für eine Prognose. Dazu gehören Fachleute aus den verantwortlichen Bundesministerien und des GKV-Spitzenverbandes, nicht jedoch der Dienstleister (z.B. Krankenhäuser). Die Neuzugänge der Verssicherten waren zudem im Durchschnitt jünger und nahmen weniger Leistungen in Anspruch. Trotzdem wurden Anfang des Jahres die Zusatzbeiträge entgegen einiger Hoffnungen erhöht. Politiker sehen die oft kommunizierten Probleme der Kassen nun als überzogen an.

So haben sich die Leistungsausgaben entwickelt

Das positive Ergebnis lässt sich nur auf die gesunkenen Ausgaben zurückführen. Insgesamt wurde zwar ein durchschnittlicher Kostenanstieg von 4,3 Prozent berechnet, letztendlich waren es jedoch nur 3,7 Prozent. Vor allem im größten Kostenblock der Klinikbehandlungen fielen die Ausgaben niedriger aus als erwartet: Es wurde ein Zuwachs von nur 2,5 Prozent verzeichnet. Die höchsten Ausgabenzuwächse mussten die Krankenkassen bei Arztausgaben (5,1 Prozent) und Krankengeld (5 Prozent) hinnehmen. Auch die Bereiche Heilmittel und künstliche Krankenpflege wuchsen überproportional. Einen besonders hohen Anstieg gab es in der Hospiz- und Palliativversorgung, da hier die Leistungen erheblich verbessert wurden.

Quellen: Bundesversicherungsamt, VersicherungsJournal, Tagesspiegel

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