Krankenkassen verweigern zunehmend Krankengeld

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 26.02.2015

Arbeitnehmer erscheinen zunehmend trotz Krankschreibung bei der Arbeit. Einer der Gründe für diese Entwicklung: Krankenkassen erklären immer öfter krankgeschriebene Mitglieder für gesund – ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt. In diesen Fällen werden die Zahlungen von Krankengeld eingestellt und Patienten drohen finanzielle Notlagen.

Immer häufiger erklären Krankenkassen krankgeschriebene Mitglieder für arbeitsfähig und verweigern ihnen das Krankengeld. Eine Umfrage im Auftrag der DAK hat laut der „Welt“ aufgedeckt, dass fast zwei Drittel aller Arbeitnehmer zwischen 25 und 40 Jahren im vergangenen Jahr trotz Krankschreibung zur Arbeit gegangen sind.

Gesetzliche Krankenkassen üben zunehmend Druck aus

Nach Erfahrungen der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) üben die Krankenkassen immer häufiger Druck auf Versicherte aus. „Im letzten halben Jahr haben drei Unternehmen bei mir angerufen und gesagt: 'Hier steht ein Mitarbeiter vor mir, der ist eigentlich krankgeschrieben, aber die Kasse sagt, er soll wieder arbeiten gehen – er kann aber nicht arbeiten, es wäre mit Blick auf die Sicherheitsvorschriften nicht verantwortlich'", erläutert Patientenberaterin Judith Storf in der „Welt“. Solche Anfragen seien früher nicht vorgekommen.

Krankenkassen dürfen Krankschreibung anzweifeln

Nach Paragraf 275 des fünften Sozialgesetzbuchs darf der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) mit einem Gutachten beauftragt werden, wenn eine Versicherung Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit eines Arbeitnehmers hat. In 40 Prozent der Fälle wird die Bewertung rein nach Aktenlage und ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erstellt. Kommen die Sachverständigen zu dem Schluss, der Patient könne wieder arbeiten, kann das - vor allem bei langfristigen Erkrankungen - fatale finanzielle Auswirkungen haben. Denn Patienten erhalten kein Krankengeld mehr und werden aufgefordert, wieder ihrem Beruf nachzugehen. Ohne zusätzliche Krankentagegeldversicherung sind längerfristig erkrankte Arbeitnehmer finanziell ohnehin schon geschwächt.

Bei Widerspruch werden Krankengeldzahlungen bis zur Klärung ausgesetzt

Gegen die Aufforderung der Krankenkassen, trotz Krankschreibung wieder arbeiten zu gehen, können Patienten Widerspruch einlegen. Bis zur Entscheidung darüber werden die Krankengeldzahlungen allerdings eingestellt. Patienten müssten dann auf Ersparnisse zurückgreifen oder im Notfall Arbeitslosengeld II beantragen.

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