Lebensversicherungen reduzieren Ausschüttungen an Kunden

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 21.03.2018

Bis zu sieben Prozent Zinsen gab es mal für Lebensversicherungen – doch die Zeiten sind längst vorbei. Eine aktuelle Auswertung der Bundesregierung zeigt jetzt, wie Konzerne die Ausschüttungen an Kunden drücken. Im Jahr 2018 liegt die durchschnittliche Verzinsung demnach nur noch bei 2,4 Prozent. Und die Zukunftsaussichten sind nicht wirklich besser.

Noch in den 1990er Jahren konnten sich Sparer über mehr als sieben Prozent Rendite bei Lebensversicherungen freuen. Doch aufgrund des aktuellen Niedrigzinsumfelds können die Versicherungsgesellschaften die hohen Zinsen nicht mehr ausschütten. Sie selbst sind abhängig von den Verzinsungen sicherer (Staats-)Anleihen, die aber seit der Finanzkrise 2008 rapide in den Keller gefallen sind.

Überschuss der Versicherungen sinkt immer weiter

Ganze 85 Millionen Lebensversicherungen haben die Deutschen abgeschlossen. Doch der Klassiker unter den Vorsorgeprodukten verliert immer mehr an Attraktivität – auch für die Versicherungsunternehmen selbst. Ihnen machen vor allem die Altverträge Sorgen, bei denen die Mindestverzinsung teilweise bei bis zu vier Prozent liegt. Das Problem: Für sichere Investitionen gibt es derzeit nirgendwo auch nur annähernd so hohe Zinsen. Um die Mindestrendite der Altverträge trotzdem noch zu gewährleisten, bauen die Versicherungen schon seit 2011 eine sogenannte Zinszusatzreserve auf.

Diese Reserve drückt jetzt immer stärker auf das Budget. So fiel der Rohüberschuss der Versicherungsgesellschaften von fast 26,7 Milliarden Euro im Jahr 2000 auf rund 10,4 Milliarden Euro in 2016 zurück. Aus diesem Rohüberschuss werden unter anderem die Versicherungsnehmer bedient, um ihnen eine bessere Verzinsung als die Mindestrendite zu bescheren. Sinkt der Überschuss, sinken folglich auch die Renditen der Versicherungsnehmer. Eigentlich sollte das 2014 eingeführte „Gesetz zur Absicherung stabiler und fairer Leistungen für Lebensversicherte“ genau das verhindern – bisher aber ohne Erfolg.

Versicherungen umgehen das Gesetz

Wie aus einer Kleinen Anfrage der Grünen hervorgeht, umgehen viele Versicherungsgesellschaften das Gesetz ganz einfach. Sie führen ihre eigenen Gewinne an ihre Muttergesellschaften ab. Dadurch sind sie nicht mehr verpflichtet, die Überschüsse primär an Versicherungsnehmer auszuschütten. Wurden 2012 noch etwa 350 Millionen Euro auf diesem Wege aus den Unternehmen geschleust, waren es nur vier Jahre später schon rund 1,1 Milliarden Euro.

Quelle: Spiegel

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