Lohntransparenz: Kaum Interesse an neuen Möglichkeiten

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 20.04.2018

Schon seit Januar können Mitarbeiter bei ihrem Arbeitgeber erfragen, was Kollegen in vergleichbaren Positionen verdienen – sofern es solche überhaupt gibt und das Unternehmen eine bestimmte Größe überschreitet. Bisher zeigt sich allerdings, dass kaum Mitarbeiter von ihrem Recht Gebrauch machen. So ergab eine Umfrage der Rheinischen Post im größten Bundesland, Nordrhein-Westfalen, dass bei 18 großen Unternehmen wie Bayer, der Deutschen Bahn oder Henkel nur 400 Anfragen eingegangen sein.

Noch immer verdienen Männer im Durchschnitt 16 Prozent mehr als Frauen. Nach Berücksichtigung verzerrender Faktoren wie dem Ausstieg aus dem Berufsleben zur Kinderbetreuung sind es immerhin noch sechs Prozent. Mit dem „Gesetz zur Förderung von Transparenz von Entgeltstrukturen“ wollte die Bundesregierung dem zumindest teilweise entgegenwirken. Mit bisher mäßigem Erfolg, wie es scheint.

Sorge vor Unbeliebtheit

Seit Januar haben Mitarbeiter gerade in großen Firmen die Möglichkeit, sich über das durchschnittliche Gehalt vergleichbarer Positionen zu informieren Sofern sie dabei deutlich schlechter abschneiden als ihre Kollegen, muss der Arbeitgeber die Gehaltsunterschiede klar begründen können oder aber das Entgelt anpassen. Dabei sollen die Anfragen zunächst über den Betriebsrat laufen, um die Anonymität der Mitarbeiter zu wahren.

Trotzdem zeigt die aktuelle Umfrage der Rheinischen Post, dass nur 400 Mitarbeiter der 18 größten Unternehmen in NRW von ihrem Recht Gebrauch machen. „Wenn insgesamt bisher nur wenige Frauen fragen, hängt das wohl auch mit der Sorge zusammen, sich unbeliebt zu machen“, kommentiert Heide Pfarr, die beim Deutschen Juristinnenbund der Kommission für Arbeits-, Gleichstellungs- und Wirtschaftsrecht vorsitzt, das Ergebnis. „Wenn dagegen in manchen Firmen viele Mitarbeiter fragen, ist das doch eher positiv für mehr Transparenz.“ Bisher sei das Interesse mit jeweils rund 100 Anfragen bei der Telekom und Vodafone am größten gewesen.

Frauenförderung soll ausgebaut werden

Unabhängig von den bisher eher ernüchternden Ergebnissen betonten allerdings alle Unternehmen, die Frauenförderung in Zukunft weiter ausbauen zu wollen. Dadurch solle es indirekt ohnehin zu einer Angleichung der Gehälter kommen. So gebe es in den Konzernen beispielsweise besondere Programme, um Frauen für Führungsaufgaben zu finden.

Quelle: RP-online

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