Immer mehr Selbstständige benötigen Hartz IV

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 26.10.2015

Es gibt immer mehr Selbstständige, die ihre Einnahmen mit Hartz IV aufstocken müssen: In den vergangenen sieben Jahren hat sich ihre Zahl fast verdoppelt. Vor allem Ich-AGs, also Selbstständige ohne Beschäftigte, sind oft zum Gang zum Jobcenter gezwungen. Diese Form der Selbstständigkeit hat seit der Jahrtausendwende enorm zugenommen.

117.904 Selbstständige kamen im Vorjahr mit ihrem Gewinn allein nicht über die Runden und mussten zusätzlich Hartz IV beantragen – 2007 waren es nur 66.910, also knapp halb so viele. Das berichtet „Spiegel Online/dpa/AFP“ mit Bezug auf eine Meldung der „Ruhr Nachrichten“. Dies geht aus Daten des Statistischen Bundesamts hervor.

Selbstständige ohne Beschäftigte am häufigsten von Hartz-IV bedroht

Weiterhin geht aus den Zahlen hervor, dass vor allem Ich-AGs, also Selbstständige ohne Beschäftigte, besonders häufig prekär arbeiten. 2014 verdienten sie durchschnittlich 1.496 Euro netto im Monat. Selbstständige mit Angestellten schafften es dagegen im Schnitt auf 2.701 Euro.

Zahl der Ich-AGs hat sich stark erhöht

Die Zahl der Ich-AGs ist in den vergangen 15 Jahren enorm gestiegen. Dem Statistischen Bundesamt zufolge waren im Jahr 2000 rund 1,84 Millionen Menschen selbstständig ohne Angestellte – 2014 sind es 2,34 Millionen Personen gewesen. Ihr gewachsener Anteil erklärt auch, warum Selbstständige insgesamt immer öfter ihr Einkommen mit Hartz IV aufstocken müssen. Die Zahl der Selbstständigen mit Beschäftigten belief sich im vergangenen Jahr auf 1,85 Millionen Menschen.

Besonders häufig kommen Ich-AGs in der Land- und Forstwirtschaft vor: 22 Prozent aller Solo-Selbstständigen konnten im vergangenen Jahr dieser Branche zugeordnet werden. Es folgen das Grundstücks- und Wohnungswesen mit 17 Prozent und der Bereich der Unternehmensdienstleistungen sowie das Kommunikations- und Informationsgewerbe mit 12 Prozent.

Linken-Politikerin Zimmermann fordern Mindesthonorar

Einem Bericht des "Stern/AFP" zufolge fordert Linken-Politikerin Sabine Zimmermann, dass Konsequenzen aus der prekären Lage vieler Selbstständiger gezogen werden. Die Politik solle diese Gruppe nicht im Stich lassen und ein Mindesthonorar schaffen, ähnlich dem Mindestlohn. 

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