16 Millionen Menschen sind von Armut bedroht

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 01.01.2015

Laut einer aktuellen Erhebung des Statistischen Bundesamts sind rund 16 Millionen Menschen in Deutschland von Armut bedroht oder durch geringes Einkommen sozial ausgegrenzt. Zwar liegt die Bundesrepublik im europäischen Vergleich deutlich über dem Durchschnitt, doch seit dem letzten Jahr ist die Armut in Deutschland leicht angestiegen, obwohl auch die durchschnittlichen Einkommen stiegen.

Im Rahmen der Erhebung „Leben in Europa 2013“ hat das Statistische Bundesamt ermittelt, wie viele Menschen in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen sind. Aus den jetzt veröffentlichten Zahlen geht hervor, dass 20,3 Prozent der Bundesbürger die europäischen Kriterien erfüllen, um als armutsgefährdet zu gelten. Ihr Einkommen reicht demnach nicht aus, um alle üblichen finanziellen Herausforderungen zu decken.

Armut in Deutschland wächst

Während im Jahr 2012 rund 19,9 Prozent der Menschen in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen war, stieg der Anteil in 2013 auf 20,3 Prozent an. Der europäische Durchschnitt liegt bei 24,5 Prozent. Die Armut in Deutschland ist folglich noch deutlich weniger ausgeprägt als in den meisten anderen Ländern Europas. Zur Ermittlung von Armut und sozialer Ausgrenzung in Deutschland zog das Statistische Bundesamt drei Kriterien heran:

  • Armutsgefährdungsquote
  • erhebliche materielle Entbehrung
  • Haushalte mit sehr geringer Erwerbstätigkeit


Die Armutsgefährdungsquote wird aus dem Einkommen eines Haushalts unter Berücksichtigung der Anzahl der Personen und dem Durchschnittseinkommen des Landes ermittelt. Wer nicht genug Einkommen hat, um den eigenen Haushalt zu finanzieren, oder das Haushaltseinkommen weniger als 60 Prozent des allgemeinen Durchschnittseinkommens beträgt, könnte von Armut bedroht sein. Im letzten Jahr waren laut dem Statistischen Bundesamt 16,1 Prozent der Menschen in Deutschland armutsgefährdet.

Materielle Entbehrungen dagegen werden nach einer europäischen Skala bewertet. Ein Haushalt ist laut europäischer Definition dann durch Entbehrungen belastet, wenn drei der folgenden Kriterien erfüllt sind. Dies erfüllten 2013 5,4 Prozent der Menschen:

  • Finanzielles Problem, die Miete oder Rechnungen für Versorgungsleistungen rechtzeitig zu bezahlen.
  • Finanzielles Problem, die Wohnung angemessen heizen zu können.
  • Finanzielles Problem, unerwartete Ausgaben in einer bestimmten Höhe aus eigenen finanziellen Mitteln bestreiten zu können.
  • Finanzielles Problem, jeden zweiten Tag Fleisch, Fisch oder eine gleichwertige vegetarische Mahlzeit einnehmen zu können.
  • Finanzielles Problem, jährlich eine Woche Urlaub woanders als zu Hause zu verbringen.
  • Fehlen eines Pkw im Haushalt aus finanziellen Gründen.
  • Fehlen einer Waschmaschine im Haushalt aus finanziellen Gründen.
  • Fehlen eines Farbfernsehgeräts im Haushalt aus finanziellen Gründen.
  • Fehlen eines Telefons im Haushalt aus finanziellen Gründen.


Auch eine sehr geringe Erwerbstätigkeit kann auf mögliche Armut oder soziale Ausgrenzung schließen lassen. Das Bundesamt untersuchte daher, wie viele Menschen weniger als 20 Prozent ihrer theoretisch möglichen Erwerbszeit tatsächlich erwerbstätig waren. 2013 waren 9,9 Prozent sehr gering erwerbstätig.

Einkommen entwickelt sich gegensätzlich

Die steigende Armut oder soziale Ausgrenzung in Deutschland entwickelt sich gegensätzlich zum durchschnittlichen Einkommen. Für die aktuelle Erhebung „Leben in Europa 2013“ wurden die Einkommen aus 2012 als Grundlage genommen. Im Vergleich zum Jahr 2011 sind diese jedoch um 4,7 Prozent gestiegen. In den beiden folgenden Jahren stieg das Durchschnittseinkommen mit vier und drei Prozent jährlich weiter an. Der Anstieg der Armut bei gleichzeitigen Einkommenssteigerungen lässt auf eine größer werdende Spaltung der Gesellschaft in arm und wohlhabend schließen.

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