Möglicher Absturz des Rentenniveaus bis 2045

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 01.10.2016

Bislang hatte die Bundesregierung es konsequent vermieden, über die Zukunft der gesetzlichen Rente nach 2030 zu sprechen. Jetzt hat sie Zahlen veröffentlicht, die zeigen, wie dramatisch das Rentenniveau auf lange Sicht sinken könnte, sollte es keine Rentenreform geben.

Die Bundesregierung hat sich erstmals zu einer Aussage bezüglich der Entwicklung des Rentenniveaus über das Jahr 2030 hinaus bewegen lassen. Nach Berechnungen des Bundesarbeitsministeriums droht in den nächsten 30 Jahren ein Absinken des Rentenniveaus um mehr als sechs Prozentpunkte. Ohne Rentenreform wird es im Jahr 2045 bei voraussichtlich 41,6 Prozent liegen.

„Haltelinie“ möglicherweise Bestandteil der Rentenreform

Nach aktuellem Recht ist festgeschrieben, dass das Rentenniveau – also das Verhältnis der Rente nach 45 Jahren Beitragszahlung zum Durchschnittseinkommen bis zum Jahr 2030 nicht unter – 43 Prozent fallen darf. Kritiker wie Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und CSU-Chef Horst Seehofer fordern seit geraumer Zeit, das Rentenniveau nicht weiter abzusenken, sondern auf dem aktuellen Stand zu stabilisieren. Diese Einschätzung teilen mittlerweile offenbar weite Teile der Bundesregierung. „Das fortlaufende Abrutschen des Sicherungsniveaus untergräbt das Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung und verunsichert Beitragszahler und Rentner“, heißt es Medienberichten zufolge in Regierungskreisen. Bereits heute ist der gewohnte Lebensstandard ohne private Vorsorge für Rentner kaum noch zu halten. Auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hatte kürzlich eine sogenannte „Haltelinie“ für das Rentenniveau gefordert. Über die mögliche Höhe einer solchen Begrenzung hat sie bislang jedoch noch keine Aussagen gemacht, wie die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) berichtet. Im November will die Ministerin ein Konzept für eine mögliche Rentenreform vorlegen.

Jährlich 40 Milliarden Mehrkosten bei Stabilisierung des Rentenniveaus

Ein Festschreiben des Rentenniveaus auf dem aktuellen Stand von 47,8 Prozent des Durchschnittslohns würde den Berechnungen zufolge Mehrkosten von etwa 40 Milliarden Euro pro Jahr verursachen. Infolgedessen müssten der Rentenbeitrag der „SZ“ zufolge von derzeit 18,7 Prozent auf 26,4 Prozent im Jahr 2045 angehoben werden. Dies würde für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die den Beitrag jeweils zur Hälfte zahlen, eine Mehrbelastung von 16 Milliarden Euro bedeuten. Der Anteil des Bundes würde um acht Milliarden Euro jährlich steigen.

Gegenläufige Expertenmeinungen bezüglich des Rentenniveaus

Trotz der erheblichen Mehrkosten fordert der Sozialverband VdK im Idealfall sogar eine Erhöhung des Rentenniveaus, wie „Spiegel Online“ berichtet. „Das Rentenniveau muss bei 50 Prozent liegen, mindestens aber erst einmal auf heutigem Niveau stabilisiert werden, um einen wirksamen Schutz gegen Altersarmut zu ermöglichen“, so Verbands-Präsidentin Ulrike Mascher. Der rentenpolitische Sprecher der Linksfraktion Matthias W. Birkwald forderte dem Nachrichtenmagazin zufolge von Arbeitsministerin Nahles, im Rahmen einer Rentenreform für eine Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent zu sorgen. Kritiker halten derartige Vorstöße für nicht tragbar. Rentenexperte Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg erklärte gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ): „Wer die Beibehaltung des heutigen Rentenniveaus fordert, beseitigt keine Altersarmut, sondern belastet einseitig zukünftige Generationen.“ Sollte das Rentenniveau stabil bleiben, würden Beitragszahler seiner Einschätzung nach 2040 beinahe 27 Prozent ihres Gehalts an die Rentenkasse zahlen.

Quellen: Süddeutsche Zeitung, Spiegel Online, Frankfurter Allgemeine Zeitung

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