Negativzinsen: Erstmals Gebühren für Kleinsparer

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 05.11.2016

Daran, dass die eigenen Ersparnisse in Zeiten anhaltender Niedrigzinsen oft nur noch minimale Erträge abwerfen, haben sich die deutschen Sparer inzwischen längst gewöhnt. Immerhin waren Negativzinsen für den Durchschnittssparer noch in weiter Ferne. Ein Geldinstitut bricht nun mit diesem Tabu und reicht die Negativzinsen ab dem ersten Euro Guthaben an seine Kunden weiter.

Bislang lag die Grenze, ab der Geldhäuser die Negativzinsen, die sie selbst bei der Europäischen Zentralbank auf Einlagen zahlen müssen, an ihre Kunden weitergaben, bei 500.000 beziehungsweise 100.000 Euro. Also Sparguthaben, von denen viele Kleinanleger nur träumen. Bei der Volks- und Raiffeisenbank Niederschlesien mit Sitz in Görlitz fallen nun jedoch bereits bei kleinen Anlagen auf Tagesgeldkonten Gebühren an.

Gebühren abhängig von der Höhe des Guthabens

Zwar gibt die genossenschaftliche Bank die Negativzinsen nicht direkt an ihre Kunden weiter, sondern erhebt eine monatliche Kontoführungsgebühr für ihr Tagesgeldkonto. Wie hoch diese ausfällt, ist abhängig von der Einlagenhöhe – dennoch werden sie bereits ab dem ersten Cent fällig. Die Staffelung sieht folgendermaßen aus:

  • 5 Euro monatliche Gebühr für Einlagen bis 25.000 Euro
  • 10 Euro monatliche Gebühr für Einlagen bis 50.000 Euro
  • 25 Euro monatliche Gebühr für Einlagen bis 500.000 Euro
  • 50 Euro monatliche Gebühr für Einlagen über 500.000 Euro.

Damit führen die Niedrigzinsen nach der Einführung der Strafzinsen für betuchte Privatanleger nun erneut zu einem Tabubruch. Noch im Frühjahr dieses Jahres erklärte der Bankenverband, dass Negativzinsen für Privatkunden sehr unwahrscheinlich seien. Doch nun treffen die Negativzinsen nicht mehr nur Unternehmen und vermögende Kunden, sondern auch den Otto-Normal-Sparer.

Negativzinsen im zweistelligen Bereich möglich

Hat ein solcher Durchschnittssparer 10.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto angelegt, erhält er bei der Volks- und Raiffeisenbank Niederschlesien derzeit 0,1 Prozent Zinsen, pro Jahr also einen Euro. Selbst in Zeiten von Niedrigzinsen sind bei anderen Anbietern von Tagesgeldkonten deutlich höhere Zinssätze möglich. Gleichzeitig summieren sich die Gebühren für das Konto bei der Görlitzer Genossenschaftsbank auf 60 Euro jährlich. Unterm Strich macht dieser Beispielsparer mit seiner Geldanlage also einen Verlust von 59 Euro pro Jahr – er zahlt als 0,59 Prozent an Negativzinsen, mehr also als die Bank selbst an die EZB entrichten muss. Sie muss für dort geparktes Geld aktuell minus 0,4 Prozent Zinsen entrichten. Noch extremer fällt die Rechnung bei kleineren Guthaben aus, wie sie häufig auf Tagesgeldkonten geparkt werden. Sind nur 500 Euro auf dem Konto, betragen die jährlichen Gebühren dennoch 60 Euro. Bei einem jährlichen Zinsertrag von fünf Cent entsprechen die Gebühren Negativzinsen in Höhe von knapp zwölf Prozent.

Quelle: Welt

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