Negativzinsen schüren Verlustängste der Sparer

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 18.12.2016

Negativzinsen haben für die Sparer in Deutschland eine Reizwirkung. So ertragen sie die derzeitige Niedrigzinsphase zwar geduldig, doch sobald sie für ihre Einlagen zur Kasse gebeten werden, ändert sich die Stimmung dramatisch. Und mit ihr auch das Anlageverhalten. Das würden auch die Banken zu spüren bekommen, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Bislang haben die Deutschen die Niedrigzinsphase eher stoisch ertragen. Mit der Einführung von Negativzinsen auf breiter Front könnte sich das aber dramatisch ändern. Dann käme es zu Verlustängsten und die Sparer würden dies außerdem als kundenschädliche Maßnahme seitens der Banken ansehen. Gleichzeitig kämen für sie dann auch risikoreichere Geldanlagen in Betracht.

„Erdrutsch-Gefahr“ durch Negativzinsen

Dies ist ein zentrales Ergebnis einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim im Auftrag der ING-DiBa, über die die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) berichtet. „Es gibt eine Erdrutsch-Gefahr bei der Einführung von Negativzinsen“, sagt Martin Schmidberger, Leiter Produkt- und Zielgruppenmanagement der ING-DiBa, zu der Erkenntnis aus dem Forschungsprojekt.

Das klingt dramatisch, zumal die Deutschen die Niedrigzinsphase bislang in vielen Fällen ertragen, ohne größere Konsequenzen daraus zu ziehen. Laut der Deutschen Bundesbank haben sie weiterhin etwa zwei Billionen Euro auf ihren Spar- und Girokonten liegen und ebenso viel über Versicherungen und Pensionskassen angelegt. Die Depots der Bundesbürger enthalten Aktien, Anleihen und Fondsanteile im Gegenwert von knapp einer Billion.

Größeres Risiko und längere Laufzeiten

Negativzinsen könnten diese Verteilung nachhaltig ändern. Würde der Ertrag von Spareinlagen auf minus 0,1 Prozent fallen, wäre es mit der oberflächlichen Ruhe vorbei. Dann würden die bisherigen Sparer auch andere Anlageformen prüfen und dafür entweder ein größeres Risiko oder längere Laufzeiten akzeptieren. Darüber hinaus hätten die Banken ein großes Imageproblem. Negativzinsen würde nämlich als „rein kundenschädliche Maßnahme ohne Gegenleistung wahrgenommen und damit viel negativer beurteilt als Gebühren auf Abhebungen oder die Kontoführung“, wie es in der „FAZ“ heißt.

Höhere Gebühren in der Niedrigzinsphase

Deshalb scheuten die meisten Institute diesen Schritt. Bislang handelt es sich bei Negativzinsen auf die Spareinlagen von Privatkunden noch um Einzelfälle. Stattdessen erhöhen sie lieber bestehende Gebühren oder führen neue ein. Solche Fälle beobachtet die Konkurrenz genau. „Wir haben die Ankündigung der Gebühreneinführung der Postbank im August sehr stark gemerkt. Statt wie üblich 800 bis 1.000 Girokontoeröffnungen am Tag, schnellten die Zahlen im August und September auf 3.500 bis 4.000 am Tag in die Höhe“, sagt ING-DiBa-Produktmanager Schmidberger. Das funktioniert aber nur, solange die Direktbanken ihre Kosten im Griff haben. In der Niedrigzinsphase mussten auch sie die Rendite für ihre Kunden schmälern. Wer bei der ING-DiBa 100.000 Euro anlegt, erhält nur noch 0,05 Prozent Zinsen. Wer weniger hat, bekommt 0,35 Prozent.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung

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