Netzentgelt-Reform: Auch Haushalte profitieren

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 14.12.2016

Die große Koalition plant eine Angleichung der Netzentgelte. Ein entsprechender Gesetzesentwurf ist bereits verabschiedet. Das würde vor allem energieintensive Industrieunternehmen im Osten Deutschlands entlasten. Aber auch private Haushalte in der Region würden von einem geringeren Strompreis profitieren. Im Westen wird es hingegen vielfach teurer.

Aufgrund steigender Netzentgelte drohen vielen Haushalten im kommenden Jahr höhere Stromkosten. Das gilt allerdings nicht für alle Haushalte, wie eine aktuelle Untersuchung des Forschungsinstitutes ewi Energy Research & Scenarios (ewi ER&S) zeigt. Ostdeutsche Haushalte können sich im kommenden Jahr möglicherweise sogar über sinkende Ausgaben für Strom freuen.

Netzentgelte machen bis zu 23 Prozent der Stromkosten privater Haushalte aus

Netznutzungsentgelte, so die offizielle Bezeichnung, sind Gebühren, die für die Nutzung des Stromnetzes anfallen. Sie müssen von den Energieversorgern an den jeweiligen Netzbetreiber abgeführt werden und werden direkt an die Stromkunden weitergereicht. Für private Haushalte macht dieser Posten einen nicht unerheblichen Teil ihrer Stromkosten aus: 23 Prozent des Strompreises entfallen auf Netzentgelte.

Die Höhe der Gebühr für die Stromnetznutzung wird nicht etwa von den vier deutschen Netzbetreibern 50Hertz, Tennet, TransnetBW und Amprion festgelegt, sondern von der Bundesnetzagentur. Und sie unterscheiden sich innerhalb der Bundesrepublik erheblich, da sie sich an den realen Kosten der Netzbetreiber orientieren. Das führt dazu, dass Stromkunden in dicht besiedelten Regionen niedrigere Netzentgelte zahlen müssen, da die Kosten für die Nutzung des Stromnetzes auf mehr Abnehmer umgelegt werden.

In ländlichen Gegenden und dem vielerorts dünn besiedelten Osten Deutschlands hingegen fallen die Ausgaben der Stromkunden dementsprechend höher aus. So zahlt ein Durchschnittshaushalt in Brandenburg pro Kilowattstunde Strom 11,55 Cent an Netzentgelten, in Düsseldorf sind es hingegen nur 4,88 Cent.

Gesetzesentwurf zur Angleichung der Netzentgelte liegt bereits vor

Dieser Umstand ist nicht nur für die Haushalte in den betroffenen Regionen ärgerlich, sondern in noch viel größerem Ausmaß für energieintensive Industrieunternehmen. Das bedeutet für Unternehmen im strukturschwachen Osten der Republik einen zusätzlichen Standortnachteil. Die ostdeutschen Bundesländer fordern daher bereits seit Längerem eine Reform der Nutzungsgebühren für die Stromnetze. Im November hat die Regierungskoalition nun einen Gesetzesentwurf zur Modernisierung der Netzentgeltstruktur vorgelegt, der eine Vereinheitlichung der Gebühren vorsieht. Demnach dürften die Netzentgelte der in den Gebieten der Netzbetreiber 50 Hertz (Ostdeutschland) und Tennet (Norddeutschland sowie Teile Hessens, Nordrhein-Westfalens und Bayerns) sinken. Im Bereich von TransnetBW (Südwestdeutschland) und Amprion (Westdeutschland) werden sie dagegen vermutlich steigen.

Moderate Auswirkungen für private Haushalte

Zu spüren bekommen werden dies vor allem Industrieunternehmen, die an das Höchstspannungsnetz angeschlossen sind. So würden die Netzentgelte für ein beispielhaftes Elektrostahlwerk im Stromnetz von Amprion, beispielsweise im Ruhrgebiet, nach Berechnungen der Studienautoren um 72 Prozent steigen. Im Osten der Republik im Netz von Tennet müsste ein vergleichbares Unternehmen hingegen 28 Prozent weniger an Netzentgelten zahlen.

Für private Haushalte, die im Normalfall an das Niederspannungsnetz angeschlossen sind, würden die Auswirkungen moderater ausfallen. ewi ER&S erwartet hier maximale Mehrbelastungen von gut sechs Prozent, die Haushalte im Düsseldorfer Raum treffen könnten. Die Entlastungen fallen mit minus zwei bis minus drei Prozent schwächer aus. Besonders profitieren dürften hier Haushalte in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Quelle: ewi Energy Research & Scenarios

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