Niedriges Zinsniveau: Garantiezins in Gefahr

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 18.12.2015

Nicht nur privaten Sparern macht das niedrige Zinsniveau zu schaffen. Auch der Garantiezins der Lebensversicherungen gerät zunehmend unter Druck. In Altverträgen garantierte Renditen sind derzeit kaum noch zu erwirtschaften. Erste Anbieter haben bereits angekündigt, die laufende Verzinsung 2016 zu senken.

Das anhaltend niedrige Zinsniveau hat mittlerweile spürbare Auswirkungen auf die Renditen klassischer Lebensversicherungen. Einer Meldung der „Deutschen Presse-Agentur“ (dpa) zufolge, die unter anderem von der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ veröffentlicht wurde, müssen sich Versicherte womöglich langfristig auf sinkende Überschussbeteiligungen einstellen. Bei Neuverträgen dürfte der Garantiezins ebenfalls niedriger ausfallen, so die Einschätzung von Experten.

Branchenriesen senken laufende Verzinsung

Der Marktführer im Bereich Lebensversicherungen, die Allianz, hat kürzlich bereit angekündigt, die laufende Verzinsung im kommenden Jahr auf 3,1 Prozent zu senken. Aktuell erhalten Inhaber einer klassischen Lebensversicherung, wie zum Beispiel einer Risikolebensversicherung, die auch im Erlebensfall leistet, noch 3,4 Prozent laufende Zinsen: Diese setzen sich aus dem Garantiezins und der Überschussbeteiligung zusammen. Mit der Axa hat bereits ein weiteres Schwergewicht der Branche angekündigt, den gleichen Schritt zu gehen und die Renditen 2016 im selben Umfang zu senken. Die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Anbieter nachziehen, ist also hoch.

Zugesicherte Renditen aus Altverträgen angesichts des Zinsniveaus kaum realisierbar

Angesichts des anhaltend niedrigen Zinsniveaus, das nach den jüngsten Entscheidungen der Europäischen Zentralbank wohl noch für geraume Zeit im Keller bleiben wird, werden die hohen Garantiezinsen aus Altverträgen verstärkt zum Problem. Altkunden verfügen teilweise noch über Verträge mit einer Zinsgarantie von bis zu vier Prozent. Diese lassen sich bei dem derzeitigen Zinsniveau allerdings kaum an den Kapitalmärkten erwirtschaften. „Wenn die Zinsen im Euroraum so niedrig bleiben, dürfte die Überschussbeteiligung im Jahr 2018 im Branchenschnitt 0,2 bis 0,4 Prozent geringer ausfallen als derzeit“, so die Einschätzung des Vorstandschefs der Alten Leipziger, Walter Botermann, gegenüber der „dpa“.

2016 möglicherweise keine gesetzliche Vorgabe zum Garantiezins mehr

Der Garantiezins, der Versicherungskunden eingeräumt wird, soll laut einem Entwurf der Bundesregierung ab 2016 von den Assekuranzen selbst festgelegt werden können. Da im kommenden Jahr die neuen Regelungen für die Eigenmittelausstattung von Versicherungen, Solvency II, in Kraft treten, sei eine gesetzliche Regelung nach Ansicht der Bundesregierung nicht mehr notwendig. Bislang wird die Höhe dieser garantierten Verzinsung von Bundesfinanzministerium nach Empfehlungen der Finanzaufsichtsbehörde BaFin und Versicherungsmathematikern festgelegt.

Kritiker fürchten, die Abschaffung der gesetzlichen Vorgaben könnte dazu führen, dass Versicherungen bei einem steigenden Zinsniveau Produkte anbieten, deren lebenslange Garantieversprechen sich später als nicht realisierbar herausstellen. Selbst einige der deutschen Versicherer selbst hängen offenbar an der staatlichen Garantiezins-Vorgabe: „Wenn das Bundesfinanzministerium den Höchstzins weiter festsetzt, werden auch mögliche Geisterfahrer verhindert“, so Alte-Leipziger-Vorstand Botermann.

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