Notrufsystem der Autoversicherer startet im April

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 21.03.2016

Kaum hat es gekracht, da sind schon die Rettungskräfte unterwegs zum Unfallort. Mit dem neuen Notrufsystem der deutschen Autoversicherer wird dies demnächst Realität – auch für ältere Fahrzeuge. Der „Unfallnotdienst“ nimmt am 4. April seine Arbeit auf. Herzstück ist ein Stecker für die Buchse des Zigarettenanzünders. Damit eignet sich die Technik für alle Fahrzeuge.

Zum Start ihres neuen Notrufsystems mit dem schlichten Namen „Unfallmeldedienst“, kurz UMD, am 4. April 2016 halten die Versicherer eine halbe Million der dafür erforderlichen Unfallmeldestecker für interessierte Fahrer bereit. Dies berichtet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Damit das neue Notrufsystem funktioniert, muss zudem eine App für auf das eigene Smartphone heruntergeladen werden. Sitzt der Stecker in einer 12-Volt-Buchse des Autos, sollen Sensoren in seinem Inneren einen Unfall erkennen und über die dazugehörige App eine Unfallmeldung an eine Notrufzentrale auslösen.

Notrufsystem der Versicherer alarmiert die Rettungskräfte

Diese Meldung enthält zusätzliche Informationen über den Standort sowie letzte Fahrtrichtung des betroffenen Wagens und baut eine Sprechverbindung zum Fahrer auf. Falls die Schwere des Unfalls es erforderlich macht, leitet die Notrufzentrale direkt Rettungsmaßnahmen ein. „Dank des Unfallmeldedienstes werden die Rettungskräfte in vielen Fällen deutlich schneller am Unfallort sein als bisher. So helfen wir, Leben zu retten und Verletzte so schnell wie möglich zu versorgen – denn in einem Notfall kommt es auf jede Minute an“, lobt der Vorsitzender des Fachausschusses Kraftfahrtversicherung im GDV, Peter Slawik, das Notrufsystem.

Dank spezieller Algorithmen unterscheidet der smarte Stecker zwischen kapitalen Karambolagen und soften Stupsern, die lediglich leichte Blechschäden nach sich ziehen. Dann nimmt die jeweilige Versicherung den Schaden auf und schickt gegebenenfalls Hilfe. Das Notfallsystem der Versicherer lässt sich auch manuell auslösen.

Diskrete Datenübermittlung

An der Technik für das Notrufsystem waren die Unternehmen Bosch und IBM maßgeblich beteiligt. Der deutsche Elektronikspezialist steuerte die Hardware bei, der US-Software-Konzern die IT- und Kommunikationsinfrastruktur. Darüber sollen keine Daten über den eigentlichen Zweck hinaus übermittelt werden. Bleibt also eine Fahrt unfallfrei, dann werden auch keine Informationen an die Zentrale des Unfallmeldedienstes geschickt. Nach Angabe des GDV erhält grundsätzlich niemand Informationen, die Rückschlüsse auf die Fahrweise oder die zurückgelegte Strecke ziehen lässt.

Wie der GDV mitteilt, stehen hinter dem Projekt zahlreiche Assekuranzen, die auch Kfz-Versicherungen im Portfolio haben. Bereits seit 1999 betreiben die deutschen Autoversicherer ein Service-Center für die Notrufsäulen an deutschen Autobahnen, bei dem jährlich über 100.000 Anrufe eingehen. Es dürften dementsprechend langjährigen Erfahrungswerte in Sachen Notruf und Pannenhilfe in das neue System eingeflossen sein. Dies könnte eine Erklärung sein, warum die Versicherer das System bereits jetzt vorstellen können. Die Europäische Union hat den Termin für die verpflichtende Einführung des automatischen Notrufsystems eCall für Neuwagen erst auf 2018 festgesetzt.

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