Junge Menschen profitieren von Nullzins-Politik

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 26.06.2015

Junge Menschen, die in eine Immobilie investieren, anstatt zu sparen, sind die Profiteure der akutellen Nullzins-Politik. Laut einer Studie des Institut der deutschen Wirtschaft (IW) findet derzeit eine Umverteilung zwischen Verschuldeten und Sparern statt.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ist in seiner Studie der Frage nachgegangen, ob die aktuelle Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandertreibt. Allerdings sei eine Umverteilung zwischen Alt und Jung sowie zwischen Sparern und Verschuldeten zu beobachten, erläuterte IW-Direktor Michael Hüther gegenüber der „Welt“.

Junge Baufinanzierer sind die Profiteure

Profiteure der Nullzins-Politik seien demnach vor allem junge Menschen unter 35 Jahren, denn sie tragen im Schnitt höhere Schuldenlasten als die älteren Generationen. So flössen bei dieser jüngsten Altersgruppe in der Studie im Schnitt 15 Prozent des Bruttovermögens in Hypotheken zur Baufinanzierung. Bei den 55- bis 64-Jährigen beträgt der Anteil nur noch 8,7 Prozent, bei den über 74-Jährigen 1,9 Prozent. Auch die Belastung durch Kredite nimmt von den jüngeren zu den älteren Bevölkerungsgruppen ab. Angesichts der historisch niedrigen Zinsen ist eine Kreditaufnahme so günstig wie nie zuvor. Wenn Sie diese Entwicklungen nutzen möchten, und einen Kredit aufnehmen, sollten Sie immer zunächst einen Kreditvergleich durchführen. Sparer erhalten dagegen immer weniger für ihre Einlagen.  Auch dies ist für ältere Generationen von Nachteil: Der Vermögensanteil in Form verzinslicher Spareinlagen wie Festgeld ist unter den älteren Befragten deutlich höher als unter den jüngeren.

Nullzins-Politik führt zu Umverteilungen

Ein Rechenbeispiel aus der IW-Studie zeigt, dass Schuldner für Konsumentenkredite und Baudarlehen im vergangenen Jahr durchschnittlich 3,9 Prozent Zinsen zahlen mussten. 2008 habe der Zinssatz im Durchschnitt noch 5,3 Prozent betragen. Profiteur des niedrigen Zinsniveaus ist demnach, wer rote Zahlen schreibt. Neben jungen Menschen steht vor allem der Staat ganz oben auf der Liste der Nutznießer der Nullzins-Politik. Im Nachteil sind ältere Menschen, die stärker zu einem konservativen Finanzverhalten tendieren: viele festverzinsliche Sparanlagen, wenig Schulden. Da Ältere im Durchschnitt wohlhabender sind als Jüngere, begünstige die Niedrigzinsphase eher einen Rückgang der Vermögensungleichheit in Deutschland, so Hüther.

Generell widerlegt die Studie den weitverbreiteten Eindruck, dass vor allem Wohlbetuchte mit Immobilien- und Aktienvermögen profitieren, während Kleinanleger durch die Nullzins-Politik benachteiligt werden. Laut IV-Chef Hüther sind die ärmsten zehn Prozent der Bevölkerung die größten Profiteure, weil sie häufig wenig Sparanlagen, aber größere Schulden haben. Was den Vermögensanteil an Aktien und Immobilien betrifft, so gebe es kaum Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen.

Niedrigzinsen erschweren Altersvorsorge

Große Probleme bescherrt die Nullzins-Politik Menschen bei der Altersvorsorge. Wer in risikoarme Vorsorgeformen investiert, muss erheblich mehr Rücklagen bilden, als erwartet. Um den Lebensstandard im Alter zu halten, muss ein Haushalt mit einem Jahresnettoeinkommen von rund 42.000 Euro bei einem Zinssatz von drei Prozent 30 Jahre lang 4.000 Euro im Jahr zurücklegen. Sollte die Niedrigzinspolitik mit rund 0,5 Prozent aber zehn Jahre lang anhalten, kämen pro Jahr nochmals 350 Euro hinzu. Dies entspräche einem Konsumverzicht von rund 12.000 Euro.

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