Nullzinsklima: EZB unternimmt kleinen Schritt zum Kurswechsel

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 12.06.2017

Zehn Jahre hat die Europäische Zentralbank keine Straffung ihrer extrem lockeren Geldpolitik angedeutet, mit welcher Inflation und Wirtschaft in Europa immer weiter angeheizt werden. Nun strich die EZB weitere Zinssenkungen aus dem Programm und ließ eine leichte Kursänderung erkennen. Trotz der Andeutungen und einer erfolgversprechenden Konjunktur des Euroraums könnte der Weg aus dem Nullzinsklima noch einige Zeit dauern.

Mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik heizt die Europäische Zentralbank der Wirtschaft und Inflation in Europa immer weiter ein und seit zehn Jahren war keine Rede von einer Straffung der Maßnahmen. Angesichts der positiven Konjunkturprognosen für den Euroraum scheint die EZB nun jedoch die ersten Schritte aus dem Nullzinsklima zu planen. Doch trotz der Andeutungen könnte dieser Weg noch viel Zeit in Anspruch nehmen.

Vorsichtiger Kurswechsel

Es ist ein Silberstreif am Horizont der Sparer. Notenbankpräsident Mario Draghi deutete aus der Sicht von Volkswirten in Tallin nun erstmals seit langem einen Kurswechsel an. Die Konjunktur des Euroraumes gebe Grund zur Zuversicht und vormalige Risiken für das Wachstum wären inzwischen ausgeglichen statt abwärtsgerichtet. Die Äußerungen deuten für Experten auf ein beginnendes Ende der Geldpolitik, die von milliardenschweren Anleihenkäufen und historischen Niedrigzinsen bestimmt wird. Holger Schmiedling, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, bezeichnet diese langsamen Ausstiegsvorbereitungen als „Kriechgang“. Der Wirtschaftsweise Volker Wieland sieht darin die "minimale und lange überfällige Anpassung, aber bei Weitem nicht das, was notwendig wäre".

Noch kein Ende in Sicht

Bis der derzeit gefahrene geldpolitische Kurs jedoch ein Ende findet, könnte es noch lange dauern. Mario Draghi warnte vor der Hoffnung auf einen schnellen Anstieg der Niedrigzinsen: „Ein außergewöhnliches Maß an geldpolitischer Unterstützung ist immer noch nötig“. Die Zentralbank rechnet im laufenden Jahr mit einer Inflation von 1,5 Prozent und damit einem Wert, der nicht an die Zielmarke von knapp zwei Prozent heranreicht. Die Anleihenkäufe werden somit wohl noch mindestens ein Jahr weitergehen. Rund 60 Milliarden Euro gibt die Notenbank monatlich für den Erwerb von Wertpapieren aus. Ebenfalls festgefahren scheint der Leitzins, der seit März 2016 auf 0,0 Prozent gesenkt wurde. Zumindest der deutsche Aktienindex zeigt sich, auch durch die britischen Wahlen, eher unbeeindruckt. Zuletzt zeigte das Börsenbarometer ein Plus von knapp 0,3 Prozent.

Weitere Meldungen im Überblick

  • Energiekonzernkurse steigen: Die Kurse deutscher Energieversorger wie RWE und E.on haben kräftig zugelegt. Verantwortlich ist das BVerfG-Urteil zur Verfassungswidrigkeit der Brennelementsteuer.
  • OECD prognostiziert Wachstum: Die Industriestaaten-Organisation OECD erwartetet weiteren Aufschwung und in diesem Jahr ein um 1,7 Prozent größeres BIP.
  • Deutsche Bank schweigt: Die Deutsche Bank will trotz massiven Drucks der US-Demokraten weiterhin keine Informationen zur Geschäftsbeziehung mit Präsident Trump preisgeben.

Quellen: Spiegel, Handelsblatt

Alle 2 Wochen Spartipps und News:

Newsletter abonnieren und gratis PDF erhalten!