Probleme durch frisierte Krankheitsdiagnosen

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 18.10.2016

Allein der Umstand, dass die Krankenkassen Ärzte offenbar zu dramatisierten Krankheitsdiagnosen drängen, um höhere Zuwendungen zu erhalten, sorgte jüngst für eine Welle der Empörung. Nun weist auch noch ein Experte darauf hin, dass völlig Unbeteiligten, nämlich die betroffenen Patienten, in ihrem Alltag negative Konsequenzen drohen.

Jüngst machte der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, die Manipulation von Krankheitsdiagnosen im Sinne der gesetzlichen Krankenkassen publik. Nun zeigt sich, dass es auch für die betroffenen Patienten weitreichende Konsequenzen haben kann, wenn sie auf dem Papier kränker gemacht werden, als sie tatsächlich sind.

Manipulierte Krankheitsdiagnosen schröpfen nicht nur den Gesundheitsfonds

Hintergrund der Manipulation von Krankheitsdiagnosen ist, dass die gesetzlichen Krankenkassen durch kränkere Patienten ihre Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds erhöhen wollen. Mit dieser Praxis schröpfen sie nicht nur den Fonds, in dem die Beitrags- und Steuergelder der Gesetzlichen Krankenversicherung zentral eingenommen und verwaltet werden, sondern schaden möglicherweise auch den betroffenen Patienten. „Falsche Kodierungen können schlimmstenfalls dazu führen, dass Kunden ihren Versicherungsschutz bei privaten Anbietern verlieren“, erklärte Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten, gegenüber „Spiegel Online“.

Betroffene Patienten gehen im Schadensfall leer aus

Diese Gefahr besteht vor allem bei der Berufsunfähigkeitsversicherung und der Risikolebensversicherung. Denn hier muss der Versicherte vor Vertragsabschluss Auskunft über seinen Gesundheitszustand und zurückliegende Erkrankungen geben. Selbst wenn er diese Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht hat und alle Fragen wahrheitsgemäß beantwortet hat, decken sie sich bei einer manipulierten Krankheitsdiagnose möglicherweise nicht mit den Daten in seiner Patientenakte. Wenn dort beispielsweise einem Patienten mit gelegentlichen Nackenverspannungen ein chronisches Halswirbelsäulensyndrom attestiert wird, ist er theoretisch verpflichtet, dies vor Vertragsabschluss anzugeben. Stößt die Versicherung im Schadensfall auf diese chronische Erkrankung, muss sie nicht leisten. Denn aus ihrer Sicht hat der Versicherte gegen seine Anzeigepflicht verstoßen – auch wenn er selbst gar nichts von dieser Krankheitsdiagnose wusste. „Die Versicherer könnten ihnen dann Leistungen verwehren und sogar Betrug vorwerfen“, warnt Kleinlein. 

Quelle: Spiegel Online

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