Regierungskoalition einigt sich auf Flexi-Rente

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 16.11.2015

Nach über einem Jahr haben sich die Regierungsparteien auf ein Modell für die sogenannte Flexi-Rente geeinigt. Das Rentenpaket könnte schon 2016 in Kraft treten. Dann soll es statt starrer Altersgrenzen bessere Möglichkeiten zu einem flexiblen Übergang in die Rente geben – sowohl vor als auch nach dem Erreichen des Rentenalters.

Die sogenannte Flexi-Rente kommt – voraussichtlich zum 1. Juli 2016. Nach über einjährigen Beratungen hat sich die Regierungskoalition in dieser Woche auf ein Reformpaket geeinigt. Wie „Spiegel Online“ berichtet, sollen dadurch unter anderem Anreize gesetzt werden, nach Erreichen der Regelaltersgrenze weiterzuarbeiten, auch in Teilzeit.

Zukünftig höherer Rentenanspruch durch längeren Verbleib im Job

Ziel der Flexi-Rente ist es, den Übergang in die Rente flexibler zu gestalten, statt den Renteneintritt an starre Altersgrenzen zu knüpfen. Hierfür sind verschiedene Maßnahmen geplant. Neben der Möglichkeit, nach dem Eintritt ins Rentenalter in Voll- oder Teilzeit weiterzuarbeiten und dadurch den eigenen Rentenanspruch zu erhöhen, wird  mit der Flexi-Rente auch ein schrittweiser frühzeitiger Ausstieg aus dem Erwerbsleben einfacher. Wer mit 63 Jahren in Teilrente geht, soll durch flexiblere Verdienstgrenzen künftig am Monatsende mehr von seinem Zuverdienst auf dem Girokonto vorfinden.  Überschreitet der Zuverdienst den Freibetrag von 450 Euro, sollen zukünftig bis zu einer bestimmten Obergrenze nur 40 Prozent des Arbeitsentgelts von der Rente abgezogen werden.

Flexiblere Teilrente soll Arbeitnehmer länger im Job halten

Aktuell gelten für die wenig genutzte Teilrente ab 63 starre Grenzen: Teilrentner können lediglich festlegen, ob sie die vorgezogene Rentenzahlungen in Höhe eines Drittels, der Hälfe oder zwei Dritteln der Rentenzahlungen beziehen wollen. Zukünftig sollen ältere Beschäftigte frei bestimmen können, in welchem Umfang sie weiterarbeiten möchten. „Ziel des Ganzen soll es sein, Menschen zu ermutigen, länger in Beschäftigung zu bleiben“, erklärte CDU-Sozialexperte Karl Schiewerling gegenüber „Tagesschau.de“, es gehe nicht einfach nur das „Früher aufhören“. Hintergedanke ist dabei laut dem Nachrichtenportal, dass viele Arbeitnehmer nicht bis zum Erreichen des Rentenalters in Vollzeit erwerbstätig sein wollen. In Ermangelung lukrativer Alternativen würden sich derzeit daher viele vorzeitig vollständig aus dem Berufsleben verabschieden.

Rentenpaket umfasst auch  Präventions- und Reha-Maßnahmen

Um ältere Arbeitnehmer länger körperlich fit genug für den Job zu halten, sieht das Rentenpaket den Ausbau von Präventions- und Reha-Angeboten vor – pro Jahr sollen zusätzlich 20 Millionen Euro dafür aufgebracht werden. Geplant ist nach Informationen der „Tagesschau“  unter anderem ein freiwilliger „berufsbezogener Gesundheitscheck“ bereits für Arbeitnehmer ab Mitte 40. So soll sichergestellt werden, dass Arbeitnehmer die erforderlichen Maßnahmen erhalten, damit sie möglichst lange im Erwerbsleben bleiben können.

Gespaltene Reaktionen auf die Flexi-Rente

Kritik an der Flexi-Rente hagelte es bereits von mehreren Seiten. So bemängelte IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban gegenüber „Spiegel Online“, dass im Entwurf der Regierungskoalition „echte Übergangsoptionen“ für Arbeitnehmer fehlten, die nicht bis zur Regelaltersgrenze durchhalten würden. Skepsis gibt es auch auf Arbeitgeberseite: „Die Fehlanreize der abschlagsfreien ‚Rente ab 63‘ werden nicht annähernd kompensiert“, so die Einschätzung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Positiv reagierte hingegen der Arbeitgeberverband Gesamtmetall auf das geplante Rentenpaket. Die Wirtschaft sei laut Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander auf ältere Beschäftigte angewiesen.

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