Umstrittenes „Nein“: Merkels Kampfansage gegen Rente mit 70

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 07.09.2017

Die Bundekanzlerin lehnt ein Anheben des Renteneintrittsalters rigoros ab und betonte ihren Standpunkt beim sonntäglichen TV-Duell mit Kanzleranwärter Martin Schulz. Doch über kurz oder lang scheint die Rente mit 70 nach dem Jahr 2030 unausweichlich. Führende Ökonomen sehen das kategorische „Nein“ von Angela Merkel kritisch – auch parteiintern sorgten ihre Äußerungen für Verstimmung.

Angela Merkel machte ihre Meinung im TV-Duell mit SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz am Sonntag deutlich: Eine Erhöhung des Renteneintrittsalter nach 2030 auf 70 Jahre sei für sie keine Option. Dass die Bundeskanzlerin diesem Schritt eine rigorose Absage erteilt, kommt jedoch nicht überall gut an. Führende Ökonomen kritisieren ihre Haltung zur unausweichlich scheinenden Anhebung und auch aus den Reihen der eigenen Partei erfährt die Kanzlerin Gegenwind.

Ökonomen erheben Einwände

Am Sonntag sorgte die Bundeskanzlerin im TV-Duell mit Kanzleranwärter Martin Schulz für reichlich Diskussionsstoff. Vor allem ihr kategorisches „Nein“ zur Rente mit 70 wird von führenden Ökonomen kritisiert. „Die Rente mit 70 auszuklammern, mag zwar wahltaktisch erfolgreich sein, nicht aber langfristig für die deutsche Gesellschaft“, hieß es beispielsweise von Michael Hüther, dem Präsident des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft, im Gespräch mit der Rheinischen Post. Der Verband der Jungen Unternehmer attestierte der Kanzlerin derweil zwar Zustimmung durch ältere Bürger, doch könnten Jüngere nur den Kopf schütteln angesichts einer unmöglichen Gleichung: Länger leben und kürzer arbeiten.

Nach der Bundestagswahl im September wollen CDU und CSU laut Wahlprogramm die weitere Entwicklung der Altersvorsorge nach dem Jahr 2030 klären. Bundeskanzlerin Merkel hat eine künftige Anhebung der Regelaltersgrenze über 67 Jahre faktisch ausgeschlossen – auch für ein Reformkonzept ab 2030. Im TV-Duell wies Merkel Schulz’ Kritik an der CDU/CSU-Rentenpolitik zurück: „Bei der Rente zu behaupten, wir wollten die Leute bis 70 arbeiten lassen – das ist einfach falsch.“ Die Kanzlerin stehe zur aktuellen Rechtslage, die den Eintritt in die Rente bis 2029 schrittweise auf 67 Jahre erhöht.

Kritik aus eigenen Reihen

Mehr Anhebung sei Beschäftigten vieler Berufsgruppen Merkel zufolge nicht zuzumuten: „Wer länger arbeiten möchte, kann es, aber es gibt viele Menschen, die können nicht länger arbeiten.“ Ihre Äußerungen dürften auch Wolfgang Schäuble (CDU) getroffen haben. Der Finanzminister wurde kürzlich mit seinem Standpunkt zur längeren Arbeitszeit zitiert und auch andere Unionsmitglieder wie Finanzstaatssekretär Jens Spahn treten dafür ein. Schäuble bezeichnete das Versprechen, trotz höherer Lebenserwartung den Renteneintritt unverändert zu lassen, als „durchsichtigen Versuch, den Wähler zu verdummen“. Auf dem Internetauftritt des CDU-Wirtschaftsrats steht derweil weiterhin, langfristig könne „auch die Rente mit 69 kein Tabu sein“.

Quellen: Süddeutsche, FAZ

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