Restschuldversicherung treibt Kreditkosten

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 30.11.2016

Kredite sind günstig wie nie. Dennoch geben manchen Kreditnehmer unnötig viel Geld für ihr Darlehen aus. Eine zusätzlich abgeschlossene Restschuldversicherung, die in vielen Fällen nicht notwendig ist, hat oft Schuld daran. Bei Verbraucherschützern sorgen die Policen schon seit längerem für Unmut. Es gibt aber eine günstigere Alternative.

Der „Tagesspiegel“ berichtet von dem Fall eines 26-jährigen Kreditnehmers, der für ein Darlehen über 6.200 Euro eine Restschuldversicherung abschloss, die ihn 1.700 Euro kostete. Möglicherweise ein extremes Beispiel, doch offenbar nimmt die Zahl der abgeschossenen Restschuldversicherungen in Zeiten der Niedrigzinsen zu. Einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK zufolge schloss im vergangenen Jahr gut ein Viertel der Kreditnehmer eine solche Police ab. Bei über das Internet aufgenommen Krediten lag der Anteil mit 20 Prozent etwas niedriger, bei Abschlüssen über Vermittler mit 28 Prozent leicht über dem Durchschnitt.

Zinsen auch auf die Restschuldversicherung

Eine Restschuldversicherung klingt erst einmal nach zusätzlicher Sicherheit und damit nach einer guten Idee. Gut möglich also, dass mancher Kreditnehmer sich spontan für den Abschluss der Police entscheidet, ohne die Kosten dafür genauer unter die Lupe zu nehmen. Möglicherweise war diese Zusatzoption im Kreditantrag auch schon vorausgefüllt. Dies ist bei einigen Banken durchaus üblich, wie Stiftung Warentest jüngst in einer ansonsten sehr positiven Bewertung von Online-Krediten bemängelte. Für den Kreditnehmer kann dies bedeuten, dass sich die im Prinzip sehr günstigen Zinsen für seinen Kredit durch eine Restschuldversicherung letztendlich doch im oberen Bereich bewegen. Die Kosten für die Police werden nämlich direkt beim Abschluss fällig und auf den Darlehensbetrag aufgeschlagen. Somit müssen auch für die Police Zinsen gezahlt werden.

Restschuldversicherungen werden nur selten benötigt

Sowohl Stiftung Warentest als auch die Verbraucherzentralen kritisieren dieses Verfahren beim Abschluss einer Restschuldversicherung bereits seit zwei Jahrzehnten. In einigen anderen europäischen Ländern, wo das Geschäft mit Restschuldversicherungen besonders extreme Blüten trieb, beispielsweise in Großbritannien, haben die zuständigen Finanzaufsichtsbehörden eingegriffen. In der Bundesrepublik sieht die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hingegen bislang offenbar keinen Handlungsbedarf. Allerdings ruft die deutsche Finanzaufsicht auf ihrer Website Verbraucher dazu auf, sich „vor Abschluss des Vertrages unbedingt über den genauen Versicherungsumfang und die Kosten“ zu informieren. Zahlen von Bafin zeigen auch, dass Restschuldversicherungen ausgesprochen selten tatsächlich benötigt werden. Der Behörde zufolge kommt es nur bei 0,15 Prozent aller abgeschlossenen Policen tatsächlich zu einem Schadensfall.

Günstige Alternative für sicherheitsorientierte Kreditnehmer

Allerdings kann es bei höheren Darlehensbeträgen sinnvoll sein, für den Ernstfall vorzusorgen, sodass Angehörige nach dem Tod des Kreditnehmers nicht dessen Verbindlichkeiten tilgen müssen. Dafür muss allerdings nicht zwingend die von der Bank angebotene Restschuldversicherung abgeschlossen werden. Eine herkömmliche Risikolebensversicherung erfüllt den gleichen Zweck und ist vor allem bei Direktversicherern deutlich günstiger zu haben. 

Quellen: Tagesspiegel, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin)

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