Schere zwischen Arm und Reich wächst weiter

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 18.12.2017

Laut einer Studie des französischen Ökonomen Thomas Piketty geht die Schere zwischen reichen und armen Menschen weltweit auseinander. Auch in Deutschland konnten Forscher diesen Trend in den letzten Jahren beobachten. So habe sich das Einkommen des reichsten Prozents der Weltbevölkerung seit 1980 verdoppelt. Die Mittelklasse habe hingegen kaum vom Wachstum der Wirtschaft profitiert.

Piketty und sein Forscherteam stellten allerdings auch fest, dass die Unterschiede bei der Einkommensverteilung regional verschieden seien. So ist das Gefälle der Studie zufolge in Europa noch vergleichsweise gering. In Nordamerika, China, Indien und Russland sei die Ungleichheit der Einkommen hingegen drastisch gestiegen. Ausgewertet wurden für die Untersuchung unter anderem Einkommensteuerdaten.

Ungleichheit seit 2000 gewachsen

In Deutschland wächst die Einkommensungleichheit der Studie vor allem seit der Jahrtausendwende an. Die oberen zehn Prozent verfügen über einen Anteil von etwa 40 Prozent am Gesamteinkommen. „Ihr Anteil ist seit Mitte der 90er Jahre gestiegen,“ teilte Charlotte Bartels vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit. Sie wertete die Daten für die Bundesrepublik aus. „Die unteren 50 Prozent haben in den vergangenen Jahren massiv an Anteil am Gesamteinkommen verloren. In den 60er Jahren verfügten sie noch über etwa ein Drittel, heute sind es noch 17 Prozent“, so Bartels weiter.

Allerdings relativiert die Wissenschaftlerin die Zahlen. Denn in den Daten seien die Sozialtransfers – also beispielsweise Kindergeld oder Sozialhilfe – nicht erfasst. Diese Transfers würden die Einkommenssituation der einkommensschwachen Menschen vermutlich besser aussehen lassen. Auf einen langen Zeitraum gesehen ist den Angaben von Bartels nach vor allem die Mittelschicht relativ stabil. Sie verfüge über einen Anteil von rund 40 Prozent an der gesamten Einkommenverteilung. „Insgesamt ist die Einkommensungleichheit in Deutschland heute nicht radikal höher oder radikal niedriger als vor 100 Jahren. Allerdings ist sie seit der Jahrtausendwende gestiegen“, resümiert die Wissenschaftlerin.

Privatisierung trägt Schuld an Ungleichheit

Den Hauptgrund für die Unterschiede zwischen Arm und Reichen sehen die Forscher um Thomas Piketty in der zunehmenden Privatisierung. Seit den 1980er Jahren seien in fast allen Ländern enorme Mengen an öffentlichem Vermögen privatisiert worden. „Dadurch verringert sich der Spielraum der Regierungen, der Ungleichheit entgegenzuwirken“, so die Wissenschaftler.

Quellen: RP Online, Zeit

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