Schwierige Situation für Lebensversicherer

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 23.11.2017

Laut einer aktuellen Studie des Zweitmarkt-Anbieters Policen Direkt gestaltet sich die finanzielle Situation vieler Lebensversicherer aktuell bedenklich. Bei insgesamt 30 der 84 analysierten Unternehmen reiche der aktuelle Ertrag aus den Kapitalanlagen nicht aus, um überhaupt den Garantiezins und die vorgeschriebene Reserve zu decken. Schuld hieran seien weiterhin die historisch niedrigen Zinsen.

Die Versicherungen müssen aktuell weitere Ertragsquellen anzapfen, um die geforderten Leistungen erbringen zu können. So reduzieren sie etwa ihre Verwaltungskosten oder nutzen den Risikogewinn. „Unsere Analyse zeigt, dass die Belastung der Lebensversicherer stark zunimmt“, kommentiert Henning Kühl, Chefakteur der durchgeführten Studie, die aktuelle Entwicklung. Dennoch rät er Verbrauchern nicht dazu, aktuelle Policen vorschnell zu kündigen.

Historisch niedrige Leitzinsen

Anders als beispielsweise Fonds legen Lebensversicherungen das Kapital von Anlegern äußerst konservativ an. Seitdem die EZB den Leitzins aber ab dem Jahr 2008 kontinuierlich auf den aktuellen Tiefststand abgesenkt hat, sank auch die Verzinsung solcher sicheren Investments. Das Problem: Lebensversicherungen garantieren ihren Kunden beim Vertragsabschluss einen bestimmten, jährlichen Zins. Können sie diesen Zins nicht mehr erwirtschaften, entsteht ein Verlust, den die meisten Policen derzeit noch aus Risikogewinnen und durch Senkung der Kosten decken können.

Waren im Vorjahr noch 20 Versicherungsgesellschaften von einem erhöhten Risiko betroffen, sind es laut der aktuellen Studie in diesem Jahr bereits 30 Unternehmen. Dennoch bestehe laut Henning Kühl für Kunden aktuell kein Grund für Panik: „Die Zeiten, in denen es um die Höhe von Überschüssen geht, sind Vergangenheit. Heute zählt für Versicherte vor allem die Sicherheit der Garantien. Die gesetzlichen Vorgaben sind da. Hier braucht es keinen politischen Aktionismus.“ Vielmehr sieht Kühl die BaFin in der Pflicht dafür zu sorgen, dass Versicherte selbst bei einem Run-Off nicht schlechter gestellt werden als vorher.

Vorschnelle Kündigungen nicht empfehlenswert

Eine Absage erteilt die Studie auch vorschnellen Kündigungen von Seiten der Sparer: „Die Nachricht, dass der Vertrag Ihres Kunden womöglich bald an eine andere Gesellschaft verkauft wird, stellt aktuell keinen hinreichenden Grund dar für die vorzeitige Beendigung des Vertrages“, so Kühl weiter. Verbraucher sollten also weiter Ruhe bewahren und nach Alternativen für die Altersvorsorge Ausschau halten.

Quellen: Versicherungsbote, Versicherungswirtschaft Heute, Frankfurter Allgemeine, Spiegel Online

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