Sparkassen-Bus löst in Brandenburg das Infrastrukturproblem

Zuletzt aktualisiert am 14.07.2017

Immer mehr deutsche Orte leiden unter der Landflucht junger Menschen und dem damit einhergehenden Wegzug von Geschäften des täglichen Lebens. Das betrifft nicht nur Bäcker und Fleischer, sondern auch Bankfilialen. Deren Zahl ging in Deutschland allein zwischen 2015 und 2016 um 72 Prozent auf 1.888 zurück. Damit besonders weniger mobile Anwohner ländlicher Gegenden dennoch ihre Geldgeschäfte tätigen können, setzt die Sparkasse in Mittelbrandenburg jetzt auf eine Sparkassenfiliale auf vier Rädern.

Das Infrastrukturnetz von Bankfilialen in Deutschland ging zuletzt von 2015 auf 2016 auf nur noch 1.888 Filialen zurück. Das bedeutet, dass alleine in diesem Jahr 72 Niederlassungen geschlossen wurde.

Die meisten dieser Kreditinstitute waren auf dem Land angesiedelt, wo sie dank sinkender Bevölkerungszahlen nicht mehr ausreichend Kunden generierten. Gerade ältere Menschen, die nach wie vor auch in kleineren Ortschaften leben, haben so allerdings kaum noch Zugang zu einer Bank. Um das zu ändern, setzt die Mittelbrandenburgische Sparkasse seit einiger Zeit umgebaute Busse ein, die direkt zu den Menschen kommen.

Sparkassenfiliale in einem Linienbus

Der knallrote gepanzerte Sparkassen-Bus ist mit allen wichtigen Bestandteilen einer regulären Filiale ausgestattet: Es gibt einen klassischen Schalter, abgetrennt durch eine Glasscheibe, einen Wartebereich im hinteren Teil des Wagens, einen PC-Arbeitsplatz für Kundengespräche sowie Regale mit Infoflyern. Einzige Ausnahme: In dem Bus können nur kleinere Geldbeträge ausgezahlt werden, für größere Bankgeschäfte werden die Anwohner nach wie vor an die nächste Niederlassung verwiesen.

Insbesondere für Senioren ist der Sparkassen-Bus die einzige Möglichkeit, regelmäßig Überweisungen zu tätigen oder anderweitige Bankangelegenheiten zu klären. Denn in den strukturarmen Gegenden fehlt es nicht nur an Filialen, sondern häufig fällt selbst die Internetverbindung so schlecht aus, dass auch Online Banking keine Option darstellt.

Niedrigzinsen und Wettbewerbsdruck machen Kreditinstituten zu schaffen

Aber nicht nur in Brandenburg suchen Kreditinstitute nach Lösungen. Die VR Bank Südpfalz führte in Rheinland-Pfalz beispielsweise Videoberatungen für Kunden ein, während die Sparkasse in Bayern auf einen Bargeld-Bringservice setzt. In Sachsen dagegen teilen sich vermehrt Banken das Geschäftsgebäude mit Einzelhändlern und anderen Dienstleistern.

Die kreativen Lösungen sind notwendig, denn die Zahl der Bankfilialen sinkt stetig weiter. 2016 sank die Zahl der Kreditgenossenschaftsfilialen erstmals unter 1000. Die Gründe sind vielfältig und haben nicht nur mit dem Strukturwandel zu tun. Stattdessen ist der Wettbewerbsdruck innerhalb der Branche in den letzten Jahren – gerade auch durch reine Internet-Banken – stark gestiegen. Zum anderen wirkt sich die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) negativ aus und hatte bereits erste Banken dazu gezwungen, Strafzinsen einzuführen.

Weitere Meldungen im Überblick

  • Lebensmittelpreise treiben Inflation an: Die zuletzt deutlich angestiegenen Lebensmittelpreise haben im Juni die Inflation steigen lassen. Gedämpft wurde die Entwicklung nur durch die Energiepreise, die erstmals seit langer Zeit den Inflationsanstieg abgemildert haben.
  • Abgasaffäre bei Daimler: Nach VW steht nun auch Daimler in Verdacht, die Abgaswerte der eigenen Autos manipuliert zu haben. Zwischen 2008 und 2016 seien Autos mit zu hohem Schadstoffausstoß verkauft worden.
  • Tanken und per App bezahlen: Shell hat ein neues Konzept vorgestellt, durch das Autofahrer die Tankfüllung per App aus dem Auto heraus bezahlen können und so Zeit sparen. Tankstellenpächter befürchten dadurch allerdings deutliche Verluste im Shop-Geschäft.

Quellen: Berliner Morgenpost, Wirtschaftswoche

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