Steuererklärung 2022: Rechner statt Finanzbeamte

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 24.06.2016

Um die deutsche Finanzverwaltung zu entlasten, sollen in Zukunft Steuererklärungen nicht mehr von Finanzbeamten, sondern von Computern geprüft werden. Auch Belege – sofern überhaupt erforderlich – sollen ab 2022 digital bei den Finanzämtern eingereicht werden können. Auf Wunsch sollen Steuerzahler ihre Steuererklärung allerdings auch künftig von Finanzbeamten prüfen lassen können.

Die Digitalisierung hält auch in der Finanzverwaltung Einzug: Statt von Finanzbeamten sollen Steuererklärungen künftig zu großen Teilen elektronisch geprüft werden. Jüngst stellte der Bundesrat die Weichen für das sogenannte „Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens“. Demnach soll laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters „die Masse der unkomplizierten Steuererklärungen“ ab dem Jahr 2022 hauptsächlich automatisiert bearbeitet werden. Belege, wie beispielsweise Spendenquittungen, sollen den Finanzämtern dann nur noch nach Aufforderung vorgelegt werden müssen.

Auf Wunsch Prüfung durch Finanzbeamte

Nach dem Gesetz ist vorgesehen, dass Computer ab 2022 die Steuerbescheide für die Bundesbürger erstellen. Steuerzahler, die der Software der Finanzverwaltung nicht trauen, sollen jedoch in der Steuerklärung die Bearbeitung durch einen Finanzbeamten verlangen können. Zudem sollen Finanzbeamte nach der digitalen Umstellung des Steuerverfahrens nach dem Zufallsprinzip Stichproben durchführen. Die rechtlichen Grundlagen für die vollständige Digitalisierung der Steuerklärung sollen bereits zum 1. Januar 2017 geschaffen werden.

Nach Abschluss der Umstellung sollen Steuerpflichtige im bereits existierenden elektronischen Steuersystem „Elster“ ihre Daten abrufen und nach Prüfung in die digitale Steuererklärung übernehmen. Nicht erfasste Daten von Dritten, beispielsweise dem Arbeitgeber, der gesetzlichen Krankenversicherung oder Bescheinigungen über Kapitaleinkünfte, sollen ebenfalls in digitaler Form hochgeladen werden können. Nach Fertigstellung der Steuererklärung wird diese digital an die Finanzverwaltung übermittelt und soll dort im Normalfall automatisiert geprüft werden. Sofern keine Auffälligkeiten vorliegen, soll dann auch der Steuerbescheid auf elektronischem Weg an den Steuerzahler übermittelt werden – komplett ohne Eingriffe von Finanzbeamten.

Einheitliche Fristen und Verspätungszuschläge

Gleichzeitig sollen einheitliche Regeln für die Fristverlängerung eingeführt werden: Wer die Hilfe eines Steuerberaters in Anspruch nimmt, soll über den 31. Dezember des Folgejahres hinaus eine zweimonatige Fristverlängerung erhalten. Für Steuerpflichtige, die ihre Steuererklärung ohne fremde Hilfe erstellen, sollen die kürzlich im Rahmen des Steuermodernisierungsgesetzes eingeführten Fristen und auch die entsprechenden Verspätungszuschläge gelten. Die Abgabefrist würde demnach in Zukunft am 31. Juli enden.

Entlastung der Finanzverwaltung durch automatisierte Prüfung

Das Gesetz war zuvor lange zwischen Bund und Ländern diskutiert worden. Die Politik will mit den Neuerungen auf den Mangel an Finanzbeamten reagieren. Unter anderem der Personalmangel hatte in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass sich die unbearbeiteten Steuererklärungen bei der Finanzverwaltung stauten. Je nach Auslastung des zuständigen Finanzamts müssen Bundesbürger teilweise Monate warten, bis eine Steuerrückzahlung auf ihrem Girokonto eingeht.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung/Reuters

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