Steuerlast seit zehn Jahren kaum gesunken

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 16.07.2015

Trotz der wirtschaftlich guten Lage und des Booms am Arbeitsmarkt ist die Steuerlast in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren kaum gesunken. Und auch die neue Reform zur Verringerung der kalten Progression bringt Steuerzahlern weniger Entlastung als erhofft. Die Bundesbürger zahlen ein Drittel mehr an den Fiskus als vergleichbare Volkswirtschaften.

Trotz der florierender Wirtschaftslage kann ein Großteil der Deutschen kaum einen höheren Gehaltseingang auf seinem Girokonto verzeichnen als im Jahr 2005. Wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) berechnet hat, ist die Steuerlast in Deutschland in den vergangenen Jahren nur minimal gesunken. Das berichtet die „Welt am Sonntag“, der die Zahlen vorliegen.

Steuerbelastung sank um weniger als drei Prozent

In sämtlichen Einkommensklassen ist die Steuerlast um nicht mehr als drei Prozentpunkte gesunken. So zahlen Beschäftigte mit einem Jahresbruttoeinkommen von 20.000 Euro mit 30,8 Prozent nur 0,5 Prozent weniger Abgaben als zehn Jahre zuvor. Durchschnittsverdiener mit 40.000 Euro brutto im Jahr treten 2,4 Prozent weniger an den Fiskus ab als 2005, sie zahlen aktuell 39,5 Prozent Steuern. Und bei Spitzenverdienern mit 80.000 Euro pro Jahr ist die Belastung von 45,9 auf 43,9 Prozent gesunken.

Kalte Progression wird weniger eingedämmt als erhofft

Auch das im Juli beschlossene Gesetz zum Abbau der kalten Progression bringt den Steuerzahlern weniger als erhofft. So hat der Bund der Steuerzahler berechnet, dass Haushalte mit einem Bruttoeinkommen von 30.000 Euro nach der Reform nur 72 Euro mehr in der Tasche haben werden, als zuvor. Bei Ehepaaren mit 50.000 Euro Bruttojahreseinkommen sind es 124 Euro. Mit dem Gesetz sollten die sogenannten heimlichen Steuererhöhungen gemildert werden. Von kalter Progression spricht man dann, wenn eine Lohnerhöhung, die nur die Inflation ausgleichen sollte, den Beschäftigten in eine höhere Steuerstufe befördert, sodass ihm letztendlich weniger Geld bleibt als vor der Gehaltserhöhung.

Deutsche zahlen mehr Steuern als der Durchschnitt

Eine andere Berechnung, welche die überdurchschnittlich hohe Steuerlast in Deutschland belegt, stammt von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Sie hat ermittelt, dass Arbeitnehmer in Deutschland ein Drittel mehr an den Fiskus abtreten müssen, als es im Durchschnitt der entwickelten Volkswirtschaften der Fall ist. In Westeuropa haben der OECD zufolge nur österreichische und belgische Arbeitnehmer eine noch höhere Steuerlast zu tragen.

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