Steuersünder: Selbstanzeigen-Flut zum Jahresende

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 07.01.2015

Die Gesetzesverschärfung für die strafbefreiende Selbstanzeige zum 1. Januar trieb reuige Steuersünder vor Jahresende zuhauf zu Steueranwälten. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Selbstanzeigen um 60 Prozent. Experten gehen davon aus, dass es durch die Verschärfung der Regeln 2015 zu erheblich weniger Selbstanzeigen kommen.

Die Verschärfung der Regelungen für die strafbefreiende Selbstanzeige von Steuersündern zeigt offenbar Wirkung. Wie „Spiegel Online“ berichtet, wurden Steueranwälte in den letzten Tagen des abgelaufenen Jahres von reuigen Steuersündern regelrecht überrannt. „In den letzten Wochen war hier so viel Andrang, dass wir Mandanten ablehnen mussten, es war wie in der Notaufnahme“, beschreibt Franz Bielefeld, Steuerrechtsanwalt und Partner die Situation bei seiner Kanzlei Baker Tilly Roelfs in München. Auch andere befragte Kanzleien berichten von einer Mandanten-Flut zum Jahresende.

Nachzahlungen der Steuersünder belaufen sich auf 1,32 Milliarden Euro

Die Zahl der Selbstanzeigen im vergangenen Jahr beläuft sich nach Information der Nachrichtenagentur dpa auf mindesten 38.300 und markiert damit einen neuen Rekordwert. Im Vergleich zum Jahr 2013, in dem 24.000 strafbefreiende Selbstanzeigen bei den Steuerbehörden eingingen, entspricht dies einer Zunahme von 60 Prozent. Bislang konnten die Steuerkassen für das vergangene Jahr Steuernachzahlungen in Höhe von 1,32 Milliarden Euro verzeichnen. Dieser Wert wird nach Informationen der dpa wohl noch steigen, da die Angaben der Länder noch nicht vollständig sind.

Experten erwarten 2015 deutlich weniger strafbefreiende Selbstanzeigen

Experten prognostizieren, dass die Zahl der Selbstanzeigen nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes zum Jahresbeginn 2015 deutlich abnehmen wird. „Ich gehe davon aus, dass der Zustrom an Selbstanzeigen mit dem Jahreswechsel abreißen wird“, sagte Wirtschaftsstrafverteidiger Oliver Sahan von Roxin Rechtsanwälte in Hamburg zu. Die neuen Regelungen für die strafbefreiende Selbstanzeige böten Steuersündern Sahan zufolge keinen ernsthaften Anreiz, den Weg zurück in die Steuerehrlichkeit einzuschlagen.

Zudem würden Selbstanzeigen nach der neuen Rechtslage nahezu unbezahlbar und das Fehlerrisiko sei erheblich gestiegen, erklärt Bielefeld. Für eine Strafbefreiung müssen seit 1. Januar 2015 nämlich die vergangenen zehn Jahre korrekt nachdeklariert werden. Ein einzelner Fehler dabei macht die strafbefreiende Selbstanzeige unwirksam.

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