Studie: Arbeitnehmer leisten mehr Überstunden

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 15.07.2016

Wer Überstunden ableistet, erwartet dafür häufig eine Gegenleistung. Im Berufsleben ist dies jedoch häufig nicht der Fall. Eine neu veröffentlichte Untersuchung zeigt nun, dass 2015 im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der unbezahlten Überstunden anstieg – ein Trend, der sich trotz oder gerade wegen guter Konjunkturentwicklung auch 2016 fortzusetzen scheint.

Deutsche Arbeitnehmer leisteten im vergangenen Jahr mehr Überstunden als in den Jahren zuvor. Das geht aus einer Erhebung des zur Bundesagentur für Arbeit (BA) gehörenden Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IBA) hervor.

Zahl der bezahlten und unbezahlten Überstunden stieg 2015

Demnach absolvierten die Beschäftigten 2015 insgesamt 816,2 Millionen bezahlte sowie 997,1 Millionen unbezahlte Überstunden – eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr, als 797,7 Millionen bezahlte und 993,4 Millionen unbezahlte Stunden Mehrarbeit geleistet wurden. 2013 waren es 794,5 Millionen entlohnte und 982,1 Millionen unbezahlte. Somit arbeitete statistisch gesehen jeder Arbeitnehmer in Deutschland 2015 insgesamt 46,8 Stunden länger als vertraglich vorgesehen. Auch im ersten Quartal 2016 blieb die Entwicklung hin zu mehr Überstunden unverändert: Verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres stieg die hier geleistete Mehrarbeit von 436,8 auf 439,1 Millionen Stunden spürbar an.

Kritik an Entwicklung hin zu Mehrarbeit

Die steigende Zahl der Überstunden scheint eine Folge der guten Konjunkturentwicklung zu sein, die viele Arbeitgeber dazu bewegt, Mehrarbeit von ihren Beschäftigten zu verlangen. Laut Holger Schäfer, Arbeitsmarktexperte am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) ist eine wachsende Zahl an geleisteten Überstunden häufig ein Indiz für eine gesunde Konjunktur.

Kritik an dieser Entwicklung kommt nun von verschiedenen Stellen: So wertet DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach die hohe Zahl an Überstunden als „Skandal, der schnell beendet werden muss“. Arbeitszeit müsse unbedingt vollständig erfasst und entlohnt werden, sodass Arbeitnehmer, die Mehrarbeit leisten, entsprechend auch mehr Gehalt auf ihr Girokonto überwiesen bekommen. In der Praxis würden jedoch insbesondere Hochqualifizierte und Arbeitnehmer in Führungspositionen laut Schäfer häufig unbezahlte Überstunden ableisten.

Auch Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, fordert ein Umdenken der Arbeitgeber bezüglich geforderter Überstunden: „Deutschland würde ein wahres Jobwunder erleben, wenn die Unternehmen, statt Überstunden zu verlangen, Stellen einrichten würden“, so Zimmermann gegenüber der „Saarbrücker Zeitung“.

Quelle: Saarbrücker Zeitung

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