Studie: Indien-Abkommen würde sich für Deutschland lohnen

Zuletzt aktualisiert am 30.05.2017

Die seit 2007 laufenden Verhandlungen zum Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien wurden 2013 auf Eis gelegt. Diese Woche empfängt Bundeskanzlerin Angela Merkel den indischen Premier Narendra Modi erneut zu Regierungskonsultationen. Einer Studie zufolge könnte sich dieser Schritt lohnen. Sollte Indien das Abkommen mit der EU eingehen, winkt der deutschen Wirtschaftsleistung ein Zuwachs von knapp fünf Milliarden Euro.

Einer Studie zufolge würde Deutschland vom angestrebten Freihandelsabkommen der Europäischen Union und Indien profitieren. Etwa fünf Milliarden Euro Wirtschaftszuwachs sagt die Studie der Republik im Fall einer Einigung voraus. Eine solche wird seit 2007 angestrebt, die Verhandlungen von EU und Indien liegen jedoch seit 2013 auf Eis. Diese Woche treffen sich Angela Merkel und Indiens Premier Narendra Modi zu Regierungskonsultationen.

Ein Abkommen mit Aussichten

Im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung kalkulierte das Ifo-Institut den möglichen Zuwachs durch ein Freihandelsabkommen von EU und Indien. Deutschland würde der Studie zufolge jährlich ein 4,6 Milliarden höheres Bruttoinlandsprodukt erwirtschaften. Neben den ökonomischen Vorteilen sieht die Bertelsmann-Asienexpertin Cora Jungbluth in der möglichen Einigung ein wichtiges Zeichen für den Freihandel. Auch wäre eine bessere Erschließung des Wachstumsmarktes Indien durch europäische Konzerne möglich. Während das für Deutschland errechnete Plus etwa 0,15 Prozent des BIP beträgt, könne die indische Leistung um 1,3 Prozent wachsen.

Schattenseiten der Einigung

Neben den gepriesenen Vorteilen, beispielsweise für die Hersteller von Fahrzeugen, Maschinen und Ausrüstung, hätten Dienstleister, Textil- und Bekleidungsunternehmen mit dem großen Konkurrenten das Nachsehen. Indien kann insbesondere angesichts niedriger Löhne einen starken Wettbewerbsvorteil vorweisen. Große Hemmnisse liegen zudem im Pharma- und Automobilsektor. Die EU würde Zölle, die etwa bei fertig montierten Pkw bis zu 100 Prozent des Neupreises betragen, langfristig abschaffen wollen. Indien sähe durch diesen Schritt hingegen die heimische Produktion gefährdet. Zudem müssten indische Standorte europäischer Firmen ohne die hohen Zölle um Sinn und Existenz bangen. 

Die Pharmaindustrie hätte hingegen Probleme mit Fragen rund um geistiges Eigentum und Patentrechte. Einem Freihandelsabkommen zwischen EU und Indien stehen also noch große Hürden bevor. Bereits im Jahre 2007 wurden Verhandlungen aufgenommen, die jedoch sechs Jahre später zunächst aufgeschoben wurden. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht nun wieder erste Schritte: Sie trifft sich diese Woche mit dem indischen Premierminister Modi sowie den Mitgliedern seines Kabinetts zu den vierten Regierungskonsultationen zwischen der Bundesrepublik und dem siebtgrößten Staat der Erde.

Weitere Meldungen im Überblick

  • Euro bleibt stabil: Zu Wochenanfang hat die Gemeinschaftswährung weiter über die Marke von 1,11 US-Dollar und damit ähnlich wie am Freitagabend notiert. In Kürze will sich Präsident Draghi zum weiteren Kurs der Europäischen Zentralbank äußern.
  • Ramponiertes VW-Image: Eine konzerninterne Studie zeigt Imageschäden aus dem Dieselskandal des Autobauers. Ein Jahr nach Bekanntwerden fielen die Imagewerte auf ihren schlechtesten Wert, hinter Toyota und Hyundai und nur noch knapp vor Opel.
  • Metropolen überhitzen: Der Leerstand in deutschen Metropolen liegt im einstelligen Bereich und Immobilienpreise steigen achtmal stärker als Einkommen. Ein Ende des Trends, zum teuersten Immobilienmarkt Europas, sei Experten zufolge nicht in Sicht.

Quellen: Spiegel, Focus

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