Studie: Jeder zehnte Deutsche ist arm trotz Arbeit

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 08.07.2017

Die Zahl der Deutschen, die trotz regelmäßiger Arbeit als arm gelten, hat sich seit 2004 verdoppelt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Mit vier Millionen Beschäftigten ist fast jeder zehnte von ihnen gefährdet – trotz einer Erwerbsquote auf Rekordhoch. Schuld an der gestiegenen Erwerbsarmut ist vor allem die schlechte Bezahlung vieler Jobs.

In Deutschland sind derzeit so viele Menschen in einem Beschäftigungsverhältnis wie nie zuvor. Doch viele der Jobs sind schlecht bezahlt und so hat auch die sogenannte Erwerbsarmut ein Rekordhoch erreicht. Das ergab eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Die Zahl der Bundesbürger, die trotz Beschäftigung als arm gelten, hat sich 2014 verdoppelt und inzwischen ist, mit vier Millionen Erwerbstätigen, fast jeder zehnte von ihnen gefährdet.

Armut trotz Job

Laut einer Studie zur Armutsgefährdung von Erwerbstätigen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, gelten fast zehn Prozent der berufstätigen Deutschen als arm.

Die Erhebung hatte den Zusammenhang zwischen Erwerbsarmut und Arbeitsmarktpolitik in 18 europäischen Ländern untersucht. Als erwerbstätig gelten Personen, die mehr als ein halbes Jahr beschäftigt sind. Armutsgefährdet sind Haushalte, die einschließlich aller staatlichen Transfers wie Wohn- oder Kindergeld mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen. Hierzulande entspricht das für Alleinstehende weniger als 869 Euro im Monat.

Im Jahr 2004 waren noch 1,9 Millionen Berufstätige zwischen 18 und 64 Jahren von der Erwerbsarmut betroffen, ein Jahrzehnt später mit 4,1 Millionen doppelt so viele. Zwar liegt die Bundesrepublik mit 9,6 Prozent in europäischen Durchschnitt, doch ist die Quote in keinem anderen Land so stark gestiegen. Dabei hatte der deutsche Arbeitsmarkt zuletzt mit Rekordzahlen glänzen können.

Gründe und Lösungen

Für die hohe Zahl der armutsgefährdeten Erwerbstätigen sieht die Studie unter anderem die Arbeitsmarktpolitik verantwortlich. Der Druck auf Arbeitslose, jede dargebotene Stelle anzunehmen, sei immens und so würden auch Tätigkeiten, die schlecht bezahlt werden oder wenige Stunden umfassen, ergriffen. Strenge Zumutbarkeitsregeln, Auflagen für den Leistungsbezug und Sanktionen seitens der Arbeitsagenturen hätten zu dem erhöhten Erwerbsarmutsrisiko geführt. Erfolgreicher wären Maßnahmen der Weiterbildung und Qualifizierung, aber auch der Mindestlohn.

Dass die Beschäftigungszahlen wachsen, hänge vor allem mit mehr Teilzeit-, Niedriglohn- und Mini-Jobs zusammen. In der Studie heißt es, dass „aus arbeitslosen armen Haushalten erwerbstätige arme Haushalte“ würden. Die Erwerbsarmut zwischen 2004 und 2014 zu mindern, ist laut Erhebung Portugal, Finnland, den Niederlanden, Polen, Irland und der Slowakei gelungen. Ungewollter Spitzenreiter ist Rumänien mit knapp 19 Prozent, Finnland konnte mit weniger als vier Prozent die niedrigste Quote armutsgefährdeter Berufstätiger vorweisen.

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Quellen: Zeit, Spiegel

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