Tafelpapiere: Anleger sollten noch 2016 zur Bank

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 17.12.2016

Es mutet heute fast antiquiert an, aber es ist noch gar nicht so lange her, dass Fondsanteile tatsächlich als Zertifikat in Papierform ausgegeben wurden. Anleger, die solche Tafelpapiere besitzen, sollten diese möglichst zeitnah ihrem Depot gutschreiben lassen, ansonsten werden sie „kraftlos“, wie es im Bankendeutsch heißt. Ausländische Tafelpapieren können sogar komplett wertlos werden.

Besitzer sogenannter Tafelpapiere, also Wertpapiere, die tatsächlich auf Papier gedruckt vorliegen, müssen aufgrund einer Gesetzesänderung bis zum Jahresende selbst aktiv werden, wenn diese Anlagen ihrem Depot gutgeschrieben werden sollen. Ansonsten werden sie laut Kapitalanlagegesetzbuch im kommenden Jahr „kraftlos“.

Tafelpapiere ab. 1. Januar 2017 nicht mehr handelbar

Hintergrund ist eine EU-Richtlinie, die in deutsches Recht umgesetzt wurde. Demnach müssen Anleger, die Fondsanteile in Papierform besitzen, diese bis zum 31. Dezember zur Bank bringen und ihrem Depot gutschreiben lassen. Für historische Aktien auf Papier gilt dies jedoch nicht. Die Fondsgesellschaften Deka und Union Invest geben allerdings bereits jetzt Entwarnung. Anleger, die es nicht bis zum Stichtag schaffen, könnten den Gegenwert auch noch nach Jahresende ihrem Depot gutschreiben lassen. Wertlos würden Tafelpapiere dadurch nicht.

„Die Effekten deutscher Fonds sind nach dem 31.12.2016 zwar nicht mehr handelbar, das heißt kein Kunde kann sie weiterverkaufen. Allerdings behalten sie ihren Wert und nehmen an der Wertentwicklung und Ausschüttungen des Fonds weiterhin teil“, heißt es der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zufolge seitens der Dekabank.

Anleger mit unlauteren Absichten mochten Tafelpapiere

Steuern könnten Anleger mit Tafelpapieren ohnehin nicht mehr umgehen, da bereits seit langem keine Barauszahlung von Kupons mehr erfolgt, erklärte eine Sprecherin des Wertpapierinstituts der Sparkassen-Gruppe. Dies ist einer der Gründe, warum seit längerem keine Tafelpapiere mehr ausgegeben werden. Die papiernen Wertpapiere enthielten Kupons, die der Anleger einfach abschneiden und bei der Bank einlösen konnte.

Da für Tafelpapiere kein Konto oder Depot benötigt wurde und die Auszahlung auch in bar erfolgen konnte, waren Tafelpapiere prädestiniert für Geldwäsche und Steuerflucht. Die ausgebenden Gesellschaften besaßen keine weiteren Informationen über ihre Anleger, die diese Anonymität auch für illegale Zwecke nutzen konnten.

Anleger mit luxemburgischen Fondsanteilen müssen handeln

Erben, die nach 2016 historische Wertpapiere in der Erbmasse eines verstorbenen finden, haben trotz der gesetzlichen Neuregelung nicht zwingend nur Papier ohne monetären Wert in den Händen. Sofern die herausgebende Gesellschaft oder ein Rechtsnachfolger noch existiert, können solche Papiere heute noch eine handfeste Geldanlage sein.

„Der Anleger muss sich keine Sorgen machen, wenn er ein solches Papier von einem deutschen Fonds nach dem Stichtag findet oder erbt. Er kann damit auch nach dem Jahresende zur Verwahrstelle des Fonds gehen und es in sein Depot buchen lassen“, sagte ein Sprecher des deutschen Fondsverbandes BVI der „FAZ“. Dies wird allerdings nicht in allen EU-Ländern so gehandhabt. Luxemburg ging bei der Umsetzung der EU-Richtlinie zum Beispiel deutlich rigoroser vor. Dort verlieren Fondsanteile auf Papier ab dem 18. Februar ihren Wert. Anleger, die luxemburgische Tafelpapiere besitzen, sollten ihre Anteile also zeitnah bei der dortigen Verwahrstelle einliefern.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung

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