Tonaufzeichnung statt Beratungsprotokoll?

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 21.04.2016

Das Beratungsprotokoll soll helfen, Kunden bei der Finanzvermittlung vor Falschberatung zu schützen, und verhindern, dass Vermittler bevorzugt Produkte empfehlen, bei deren Abschluss sie eine besonders hohe Provision kassieren. Ob die Maßnahme dazu geeignet ist, bezweifeln Skeptiker schon lange. Linken-Politiker Axel Troost schlägt nun eine Tonaufzeichnung des Beratungsgesprächs vor.

Der finanzpolitische Sprecher der Linken-Bundestagsfraktion, Axel Troost, hält das gesetzlich vorgeschriebene Beratungsprotokoll für die Finanz- und Versicherungsvermittlung für wenig geeignet. Sinnvoller wäre es seiner Ansicht nach, von dem Beratungsgespräch eine Tonaufzeichnung zu erstellen.

Beratungsprotokoll schützt Kunden nicht wirksam vor Falschberatung

In einem Interview mit dem Fachmagazin „Fonds professionell“ erklärte der promovierte Diplom-Volkswirt, dass es niemandem nütze, „wenn bei Beratungsgesprächen seitenlange Protokolle erstellt werden, der Kunde dann aber unterschreibt, ohne sie richtig gelesen, geschweige denn verstanden zu haben.“ In der Praxis würde kaum ein Finanzvermittler nach dem Beratungsgespräch das angefertigte Protokoll noch einmal im Einzelnen durchgehen. Daher sei das Beratungsprotokoll wenig geeignet um sicherzustellen, dass einem Kunden eine Geldanlage empfohlen wird, die zu seinen Anlagezielen passt.

Geeignetheitserklärung kein Fortschritt gegenüber dem Beratungsprotokoll

Auch die sogenannte Geeignetheitserklärung, die das Beratungsprotokoll nach den Plänen der Bundesregierung ab 2018 ersetzen soll, würde nach Troosts Einschätzung keine Verbesserung für die Verbraucher bringen. Die Geeignetheitserklärung soll im Rahmen der Umsetzung der EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II die Dokumentationspflicht für Anlageberater lockern.

Statt ein Beratungsprotokoll anzufertigen, sollen Finanzberater dem Kunden bereits vor dem Beratungsgespräch ein Dokument aushändigen, das bestätigt, dass seine Anlageziele und -präferenzen ausreichend berücksichtigt wurden. Der Politiker sieht hierin keinerlei Fortschritte für Kunden, es würde lediglich den Arbeitsaufwand für den Berater reduzieren.

Überwachung nicht Ziel der Tonaufzeichnung

Eine Tonaufzeichnung hingegen würde für mehr Sicherheit für den Kunden sorgen, da genau nachvollziehbar sei, was im Beratungsgespräch gesagt wurde. Anhand des Beratungsprotokolls sei hingegen nicht nachvollziehbar, ob ein Kunde in seiner Entscheidung für ein bestimmtes Produkt beeinflusst wurde. Dabei gehe es nicht um eine Überwachung der Finanzvermittler, erklärte Troost. „Es geht um die Sicherheit der Kunden – darum, dass ihnen alle Vor- und Nachteile eines Finanzproduktes wirklich richtig erläutert werden.“

Der Politiker hält es dennoch für unwahrscheinlich, dass die derzeitige Bundesregierung die Tonaufzeichnung von Beratungsgesprächen vorantreiben wird, da ein solcher Vorstoß seiner Einschätzung nach für einen Aufschrei in der Finanzbranche sorgen würde.

Kritik am Beratungsprotokoll nicht neu

Kritik am Beratungsprotokoll gab es bereits seit seiner Einführung im Jahr 2010. So bemängelte der Verbraucherzentrale Bundesverband nach einer Stichprobe 2010, das Ziel des Protokolls, nämlich Anleger besser vor Falschberatungen zu schützen, würde in vielen Fällen nicht erreicht. Stattdessen würden Anlageberater und Finanzinstitute häufig durch Klauseln zur pauschalen Haftungsfreizeichnung geschützt. Banken und Finanzvermittler kritisierten hingegen den erhöhten Aufwand durch das Beratungsprotokoll.

Quelle: Fonds professionell

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