Trotz Rekordbeschäftigung zu wenig Ausbildungsplätze

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 31.07.2017

Die Beschäftigungszahlen sind auf Rekordhoch, Verbraucher in Kauflaune und insgesamt boomt die deutsche Wirtschaft. Dennoch geht der Trend zum hausgemachten Fachkräftemangel, denn aktuellen Untersuchungen zufolge bilden Betriebe weniger aus. Während der Beschäftigungszuwachs zwischen 1999 und 2015 bei 12,1 Prozent lag, ist bei den Auszubildenden ein Rückgang um 6,7 Prozent zu verzeichnen.

Laut einer aktuellen Studie gehen die Entwicklungen von Arbeit und Ausbildung weiter auseinander. Trotz Konsumklima und Beschäftigungszahlen auf Höchstniveau, in einer rundum boomenden Wirtschaft, bilden Betriebe immer weniger aus. Den Untersuchungen zufolge läge der Beschäftigungszuwachs von 1999 bis 2015 bei 12,1 Prozent, die Zahlen der Auszubildenden seien hingegen um 6,7 Prozent zurückgegangen. Damit steuere die Republik auf einen hausgemachten Fachkräftemangel zu.

Schere von Arbeits- und Ausbildungsmarkt

Das Soziologische Forschungsinstitut der Universität Göttingen hat in einer von der Bertelsmann-Stiftung geförderten Untersuchung ermittelt, dass Arbeits- und Ausbildungsmarkt sich zunehmend auseinanderentwickeln. Die Beschäftigtenzahlen stiegen von 1999 bis 2015 um 12,1 Prozent, im gleichen Zeitraum nahm die Zahl der Auszubildenden um 6,7 Prozent ab. Den Forschern zufolge wäre eine Ausbildungsquote von fünf Prozent ausreichend, um einem Fachkräftemangel zu entgehen. Doch während 1999 auf 100 Arbeitnehmer noch 6,1 Auszubildende kamen, waren es 2015 nur noch 5,1.

Besonders stark ginge die Entwicklung von Ausbildung und sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung seit der Finanzkrise 2008 auseinander. Die Studie ermittelte zudem deutliche regionale Unterschiede. So blieben die Ausbildungsquoten in westlichen Bundesländern wie Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen im untersuchten Zeitraum beinahe konstant. In ostdeutschen Bundesländern halbierte sie sich hingegen.

Gründe des Rückgangs

Lars Thies von der Bertelsmann-Stiftung sagte dazu: „Die Entkoppelung von Beschäftigungszuwachs und Ausbildungsplätzen hat viele Ursachen. Die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe geht zurück“. Gleichzeitig würden sich „weniger Jugendliche für eine Ausbildung“ interessieren. Hinzu käme, dass die interessierten Schulabsolventen und der betriebliche Bedarf immer weniger zusammenpassen würden.

Am deutlichsten zeige sich der Rückgang in Kleinstbetrieben mit bis zu 5 Mitarbeitern. Im Jahre 1999 lag die Ausbildungsquote hier noch bei sieben Prozent, 2015 waren es lediglich noch 4,9. „Für Kleinst- und Kleinbetriebe ist die Ausbildung am schwierigsten zu stemmen. Sie bilden überproportional Jugendliche mit schwächeren Schulabschlüssen aus, haben dafür aber am wenigsten Ressourcen“, hieß es von Thies zum Rückgang der Ausbildungsbetriebe.

Um diese schwächeren Jugendlichen besser zu fördern, forderte die Stiftung einen Ausbau der entsprechenden Angebote bei den Firmen. Die öffentliche Hand müsse Jugendlichen außerdem künftig einen Ausbildungsplatz garantieren und sie mit mehr als nur BAföG unterstützen. In Anbetracht der zunehmenden Schere von Arbeit und Ausbildung warnte der Vorstand der Bertelsmann-Stiftung Jörg Dräger: „Wenn Unternehmen in der aktuell guten Konjunktur- und Beschäftigungslage nicht mehr junge Menschen ausbilden, ist der Fachkräftemangel hausgemacht."

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Quellen: Handelsblatt, Welt

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