Über 2 Millionen Deutsche arbeiten im Zweitjob

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 30.08.2017

Die Arbeitslosigkeit hat hierzulande einen historischen Tiefststand erreicht. Doch obwohl so viele Menschen in einem Beschäftigungsverhältnis sind wie schon lange nicht mehr, geht der Trend zum Nebenjob. Insgesamt arbeiten fast 2,7 Millionen Deutsche in einem Zweitjob neben ihrem Hauptberuf. Die Gründe dafür sind allerdings nicht zwangsweise in finanziellen Nöten zu suchen.

Insgesamt haben fast 2,7 Millionen Deutsche neben ihrem Hauptberuf eine Nebentätigkeit ergriffen. Dieser Trend zum Zweitjob keimt in einer Zeit, in der die Arbeitslosigkeit einen historischen Tiefststand erreicht hat. Der höchsten Zahl von Deutschen in einem Beschäftigungsverhältnis zum Trotz steht der Nebenjob hoch im Kurs – und das nicht nur aus finanziellen Gründen.

Zahl der Zweitjobs stark gestiegen

Einer Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit zufolge gingen im Dezember letzten Jahres fast 2,7 Millionen Deutsche, darunter auch Selbstständige, einer geringfügigen Beschäftigung im Zweitjob nach. Enzo Weber, Forscher am Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) schätzt die Zahl der angestellten Arbeitnehmer mit einem Minijob neben ihrem Hauptjob auf mittlerweile fast zwei Millionen. Von den angestellten Nebenjobbern würde mehr als die Hälfte ihren Minijob zusätzlich zur einer Vollzeitstelle ausführen. 

Die letzten Jahre konnte ein immenser Anstieg bei den Nebenjobbern verzeichnet werden. Weber zufolge hätte sich die Zahl seit den Hartz-Reformen „mehr als verdoppelt“. Während noch 2003 lediglich 1,2 Millionen Menschen im Nebenjob einem Minijob nachgingen, waren es Ende 2015 bereits 2,57 Millionen. Die meisten Nebenjobs finden sich im Einzelhandel und Gastgewerbe, wirtschaftlichen Dienstleistungen sowie dem Gesundheits- und Sozialwesen. Die Hauptberufe der Jobber sind zum Teil in ähnlichen Branchen angesiedelt. Laut der Analyse wäre der Großteil der Hauptbeschäftigungen im verarbeitenden Gewerbe zu finden.

Das „böse Erwachen“

Obwohl es sich Weber zufolge beim Großteil der Personen mit Minijob neben dem Hauptberuf um Menschen mit unterdurchschnittlichem Verdienst handelt, seien finanzielle Nöte nicht der einzige Antrieb. Für viele wären die geringen Abgaben attraktiv, die in einem Zustand von „brutto ist wie netto“ münden. Durch die Hartz-Reformen wurden geringfügige Nebenbeschäftigungen auf 450-Euro-Basis begünstigt.

Denn die Minijobber müssen, abgesehen von ihrer Rentenversicherung, keine Sozialabgaben leisten. Und selbst vom Beitrag zur Rentenversicherung könnten sich viele befreien lassen – und tun dies laut Weber auch. Während die gängige Praxis jetzt finanzielle Erleichterung verschaffe, könne sie laut des Forschers künftig problematisch werden. Das böse Erwachen würde spätestens bei der Rente folgen.

Quellen: FAZ, Spiegel

Alle 2 Wochen Spartipps und News:

Newsletter abonnieren und gratis PDF erhalten!