Über 80 Prozent der Mini-Jobber zahlen nicht in die Rentenkasse ein

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 25.09.2017

Altersarmut und fehlende Absicherung: Was die Antwort des Bundesarbeitsministeriums bezüglich einer Anfrage der Abgeordneten Brigitte Pothmer von den Grünen jetzt verrät, offenbart die prekäre Situation im deutschen Niedriglohnsektor. Mehr als vier von fünf Mini-Jobbern lassen sich von den gesetzlichen Rentenbeiträgen befreien, um ihr unmittelbares Netto-Gehalt zu erhöhen. Das hat allerdings zur Folge, dass die Betroffenen im Alter keinen nennenswerten Rentenanspruch realisieren können und auf Grundsicherung auf Hartz IV-Niveau angewiesen sind.

Die Grünen-Abgeordnete Brigitte Pothmer hat zuletzt eine Anfrage an das Bundesarbeitsministerium gestellt, die Daten zur Renteneinzahlung von Mini-Jobbern gefordert hat. Das Ergebnis verheißt nichts Gutes: Eine überwältigende Mehrheit von über 80 Prozent der Mini-Jobber in Deutschland hat einen Antrag auf die Befreiung von ihren Rentenbeiträgen gestellt, um im Hier und Jetzt mehr Einkommen zur Verfügung zu haben. Die langfristigen Konsequenzen sind allerdings fatal: Kaum einer dieser Mini-Jobber wird im Alter mehr als die Mindestrente beziehen.

Minijobber verzichten so auf vielschichtige Versorgung

Im gewerblichen Bereich zahlen lediglich 18 Prozent der geringfügig Beschäftigten Beiträge an die Rentenkasse, bei den in Privathaushalten Beschäftigten tun das sogar nur etwas mehr als 14 Prozent. Bei 6,5 Millionen Mini-Jobbern bundesweit entspricht das 1,2 Millionen, die in die Rentenversicherung einzahlen. Laut Mini-Job-Zentrale sind es dabei vorwiegend Männer, die sich doch für eine Einzahlung in die Rentenkasse entscheiden.

Die Grünen-Abgeordnete Pothmer besorgt diese Situation. Schließlich müssen Mini-Jobber so nicht nur mit Kürzungen der Rente rechnen, sondern sammeln deutlich weniger Beitragszeiten an und werden in Bezug auf die Erwerbsminderungsrente und Kinderberücksichtigungszeiten benachteiligt.

Scharfe Kritik an Unions-Plänen zur Ausweitung des Mini-Job-Sektors

Anlässlich dieser aktuellen Zahlen beanstandet Pothmer Forderungen aus den aktuellen Wahlprogrammen von Union und FDP. Dort wird eine Ausweitung der Mini-Job-Grenzen gefordert, was langfristig vermutlich noch in einer Ausdehnung der geringfügigen Beschäftigungen münden würde. Es bestünde zusätzlich die Gefahr, dass Arbeitgeber zunehmend sozialversicherungspflichtige Jobs in Mini-Jobs umwandeln würden. „Die versicherungsfreie Zone auf dem deutschen Arbeitsmarkt würde dann immer größer“, so Pothmer.

Gerade bei Müttern, die via Mini-Job Familie und Beruf vereinbaren wollen, sieht Pothmer langfristig große Risiken: „Die Folgen sind bekannt: Insbesondere für Frauen steigt das Risiko der Altersarmut, denn oft genug erweisen sich für sie die Minijobs als berufliche Sackgasse.“

Quellen: Neue Osnabrücker Zeitung, Spiegel Online

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