Verbraucherschützer: Intransparenz beim Dispozins

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 02.08.2016

Verbraucher, die ihren Dispokredit gelegentlich nutzen, sollten wissen, welche Kosten dafür anfallen. In vielen Fällen ist allerdings nicht ohne Weiteres nachvollziehbar, wie hoch der Dispozins ausfällt und unter welchen Bedingungen Anpassungen vorgenommen, wie Verbraucherschützer nun feststellten.

Viele Banken und Sparkassen gestalten ihre Dispozinsen für Kunden intransparent, kritisieren Verbraucherschützer. Sie bemängeln unter anderem, dass Kreditinstitute ihre Kunden in vielen Fällen im Unklaren darüber lassen, unter welchen Bedingungen Anpassungen der Dispozinsen vorgenommen werden würden.

Anpassung des Dispozinses auch bei vorbildlichen Instituten nicht immer optimal

Bereits im November hatte das Netzwerk „Marktwächter Finanzen“ der Verbraucherzentralen eine Studie vorgestellt, in deren Rahmen die Angebote für 1.346 Girokonten bei insgesamt 371 Geldhäusern analysiert wurden. Nur bei 32 Banken und Sparkassen wurden damals eindeutige und belastbare Regeln zum Dispozins vorgefunden. Nun zeigt eine Aktualisierung der Untersuchung, dass auch bei diesen 32 Geldhäusern die Ausgestaltung des Dispozinses nicht immer optimal läuft. „Acht der Kreditinstitute verstoßen gegen die eigenen Zinsanpassungsregeln, indem sie diese nicht anwenden und sitzen das Thema Zinsanpassung untätig aus“, erklärte Carmen Friedrich von der Verbraucherzentrale Sachsen, die das verantwortliche Team des „Marktwächters Finanzen“ leitet, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Senkung der Dispozinsen um 1,9 Prozent in den vergangenen fünf Jahren

Zwar gab es im Verlauf der anhaltenden Niedrigzinsphase durchaus Anpassungen beim Dispozins. Der Frankfurter Finanzberatung FMH zufolge fallen für die Nutzung des Dispokredits des Girokontos derzeit im Schnitt Zinsen in Höhe von 9,48 Prozent an. Vor fünf Jahren lag der durchschnittliche Dispozins noch bei 11,39 Prozent. Diese Anpassung der Dispozinsen geht den Verbraucherschützern allerdings nicht weit genug. Sie kritisieren bereits seit Jahren, dass die Geldhäuser Zinssenkungen in geringerem Maße an ihre Kunden weitergeben würden als Zinserhöhungen. „Der Sollzinssatz für Dispositionskredite wird somit von den Marktentwicklungen abgekoppelt, es entsteht eine parallele Welt“, so Verbraucherschützerin Friedrich.

Kreditwirtschaft verteidigt Höhe der Dispozinsen

Die Deutsche Kreditwirtschaft weist den Vorwurf der unverhältnismäßig hohen Dispozinsen jedoch zurück. Die Dachorganisation der Bankenverbände erklärte, dass Banken und Sparkassen jederzeit die Beträge vorhalten müssten, die Kunden möglicherweise im Rahmen ihres Dispokredits in Anspruch nehmen könnten. Und dieser Service koste nun einmal. Zudem wies die Deutsche Kreditwirtschaft darauf hin, dass die Höhe der Dispozinsen sowohl einem Preisaushang in den Filialen als auch dem Internetauftritt der Institute zu entnehmen sei. Die Regeln zur Anpassung des Dispozinses würden Bankkunden bei vier der 32 erneut unter die Lupe genommenen Institute allerdings vergeblich suchen, stellten die Verbraucherschützer bei ihrer Analyse fest: „Sie geben wie der Großteil der im Jahr 2015 untersuchten Banken und Sparkassen nicht alle für den Verbraucher relevanten Informationen preis.“

Quellen: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), Marktwächter Finanzen

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