Verdacht auf Insiderhandel: Ermittlungen gegen Börsen-Chef

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 03.02.2017

Nach Durchsuchungen in Räumen der Deutschen Börse ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft gegen Carsten Kengeter. Der Unternehmensführer steht im Verdacht, sich im Zuge der angestrebten Fusion mit der Londoner Börse LSE des Insiderhandels schuldig gemacht zu haben. Bereits vor Bekanntwerden der Verhandlungen soll der Vorstandschef beim größten deutschen Börsenbetreiber Aktien im Wert mehrerer Millionen Euro gekauft haben.

Mitten in den Verhandlungen zur Fusion mit der London Stock Exchange werden gegen den Chef der Deutschen Börse Vorwürfe des Insiderhandels erhoben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Carsten Kengeter, der bereits vor Aufnahme der offiziellen Verhandlungen im großen Stil Aktien der Deutsche Börse AG erworben haben soll. Im Zuge der Ermittlungen sollen die Räume der Deutschen Börse durchsucht worden sein.

Vorwürfe des Insiderhandels

Ein Aktienkauf in Millionenhöhe rückte den Chef der Deutsche Börse ins Visier der Ermittler. Im Dezember 2015 soll Kengeter Anteilsscheine der Deutschen Börse im Wert von 4,5 Millionen Euro erworben haben. Zwei Monate danach wurden die Verhandlungen mit der LSE bekannt und ließen den Aktienkurs in die Höhe schnellen. Laut der Ermittler sei es bereits im Juli und August zu ersten Gesprächen über eine mögliche Fusion gekommen. Kengeter wird nun zur Last gelegt, seine Kenntnis über die Vertragsgespräche genutzt zu haben. Dieser hatte den Aktienkauf offen in einem Zeitunginterview zugegeben und auch die Rechtsabteilung hatte zugestimmt.

Die Vorwürfe des Insidergeschäfts wies der Aufsichtsrat der Deutschen Börse zurück. Der Kauf sei im Rahmen eines Vergütungsprogrammes erfolgt, welches bis Ende 2015 befristet gewesen sei. Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss zwischen der Deutschen Börse und dem Londoner Partner seien hingegen erst einen Monat später erfolgt. Kengeter selbst war im April 2015 zur Deutschen Börse gestoßen und hatte zwei Monate danach die Unternehmensführung übernommen. Insidern zufolge sollte der Börsen-Chef mithilfe des Vergütungsprogramms an den Konzern gebunden werden und für neues Wachstum sorgen.

Fusion zwischen LSE und Deutscher Börse

Mit dem Zusammenschluss der Deutschen Börse und dem London Stock Exchange sollte ein Börsenriese Europas gebildet werden. Beide Seiten hatten sich mit großer Mehrheit für die Fusion ausgesprochen.

Zum Ermittlungsbeginn sind die Verhandlungen bereits vorangeschritten, während die Zustimmung seitens Börsenaufsicht und Wettbewerbshüter der Europäischen Union noch aussteht. Insbesondere die Börsenaufsicht zeigt sich angesichts des gut 25 Milliarden schweren Deals besorgt. Auch der in London geplante rechtliche Sitz der Dachgesellschaft steht in Anbetracht des EU-Austritts der Briten in der Kritik.

Quellen: Süddeutsche, Focus Online, Zeit

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