Versicherungen fordern Fahrtests für Senioren

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 18.01.2017

Aufgrund des vermehrten Vorkommens von Unfällen, die von Senioren verursacht werden, fordern Versicherungen einen Fahrtest für über 75-Jährige. Bei der Testfahrt sollen die Senioren an der Seite eines Fahrlehrers ihre Fahrtauglichkeit unter Beweis stellen. Die Unfallforschung des Versicherungsverbands GDV möchte in diesem Jahr Standards entwickeln, die langfristig zur Pflicht werden sollen. Viele Experten sehen das Vorhaben allerdings kritisch.

Ein verspätetes Bremsen, missachtete Vorfahrt oder das Verwechseln von Gas und Bremse: All diese Unfallursachen sind Klassiker, die in der Presse veröffentlicht werden. Dadurch steigt die Aufmerksamkeit für das Thema Fahrtauglichkeit im Alter. Die Versicherungen möchten deshalb einen Fahrtest für Senioren einführen, der ihre Fahrtauglichkeit bestätigt. Aufgrund der demographischen Entwicklung ist zu erwarten, dass es zunehmend mehr ältere Autofahrer geben wird. In Folge dessen steigt auch die Summe, die Versicherungen für ihre Kunden im Schadensfall zahlen müssen.

Politiker sind skeptisch

Allerdings sind die Zahlen, die Versicherer als Befürwortung des Fahrtests anführen, nicht für alle Verantwortlichen ausreichend. In der Unfallstatistik wird klar, dass Senioren nicht mehr Unfälle verursachen als beispielsweise Fahranfänger: 2015 wurden 20.303 Fahrer über 75 Jahre als Unfallverursacher vermerkt. In der Gruppe der Fahranfänger von 18 bis 21 Jahren waren es rund 5.000 mehr. Darauf wies das Verkehrsministerium hin. Unfallforscher setzten die Zahlen hingegen ins Verhältnis: 75 Prozent der Unfälle von Senioren über 75 wurden selbst verursacht - bei den Fahranfängern waren es nur 70 Prozent. 

Bei der Diskussion über einen passenden Eignungstest kommen Experten schnell zu dem Schluss, dass es keine andere Lösung als den Praxistest gibt. Das Resultat soll vertraulich bleiben und lediglich als Empfehlung für die Fahrtauglichkeit dienen.

Mobilität ein wichtiger Faktor für Senioren

Die Versicherungen bekräftigten, dass niemand die Mobilität von Senioren einschränken wolle. Das Verkehrsministerium sagte, dass man nur auf eine freiwillige Überprüfung der Verkehrstauglichkeit setzen möchte. Gerade für ältere Menschen ist das Auto nämlich essentiell, um weiterhin mobil zu bleiben. Eine andere Möglichkeit wäre eine Prüfung der Fahrtauglichkeit durch den Hausarzt. 

In Verbindung mit der Versicherungsprämie könnten sich auch Vorteile durch die Fahrprüfung ergeben. Gerade Rentner zahlen oft ungerechtfertigt höhere Beiträge für ihre Kfz-Versicherung. So kritisierte vergangenen Sommer der ACE Auto Club Europa die pauschal höheren Gebühren für Senioren.

Quellen: Berliner Morgenpost, Hamburger Abendblatt

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