Versicherungsbranche liebäugelt mit Autobahnen

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 20.07.2015

Niedrige Zinsen machen der Versicherungsbranche zu schaffen und von den Autobahnen bröckelt der Asphalt. Mit gezielten Anreizen könnte die Politik nun zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn einige Versicherer bekunden Interesse daran, auf der Suche nach alternativen Anlagemöglichkeiten auch Investitionen in Infrastrukturprojekte in Betracht zu ziehen.

Investitionen in Infrastrukturprojekte könnten eine Lösung für Anbieter von Risikolebensversicherungen, Unfallversicherungen und anderen Policen sein. Denn in der Niedrigzinsphase ist die Versicherungsbranche auf der Suche nach lukrativen Geldanlagen. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) hat bei Versicherern nachgefragt und grundsätzliches Interesse an alternativen Anlageformen festgestellt.

Debeka bekundet Interesse an Infrastrukturprojekten

Bei der Debeka-Gruppe betrachtet man Infrastrukturprojekte als interessante Kapitalanlage. Der Versicherer aus Koblenz warte jedoch auf Anreize des Staates. Um private Investoren für marode Straßen und Brücken zu finden, sind in der Politik Fonds im Gespräch, welche die Risiken der Anleger minimieren sollen. Zudem steht noch ein Vorschlag von Ex-Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) im Raum, nach dem Versicherer weniger Eigenmittel vorhalten müssten, wenn sie in Infrastrukturprojekte investieren. Bei einer Eigenmittelquote von 30 Prozent werde man Investitionen in die Infrastruktur genauer betrachten, heißt es aus dem Hause Debeka. Bislang hat der Versicherungskonzern weniger als ein Prozent seines Kapitals in Infrastrukturprojekten angelegt.

Kleinere Unternehmen in Versicherungsbranche sind vorsichtig

Auch der Allianz-Konzern hat angekündigt, seine Investitionen in die Infrastruktur aufzustocken. Im Fokus des Versicherers steht dabei jedoch nicht das Straßen-, sondern das Energienetz. Der Konzern will pro Jahr 350 Millionen Euro in die Erzeugung von Ökostrom stecken. Als zu risikoreich empfinden dagegen mittelgroße Versicherer wie die Stuttgarter Versicherung die Investition in Projekte, die ehemals allein Aufgabe des Staates waren. Die Schwaben können sich nur Projekte bis maximal 20 Millionen Euro vorstellen, so der Vorstandschef Frank Karsten gegenüber der „FAZ“. Bisher hatte die Versicherungsbranche vor allem in Staats- und Unternehmensanleihen investiert. Diese werfen jedoch derzeit kaum noch Zinsen ab. Bei der Suche nach alternativen Kapitalanlagen müssen Versicherer jedoch das Risiko im Blick haben, schließlich investieren sie mit dem Kapital ihrer Kunden, das diese beispielsweise für die Altersvorsorge vorgesehen haben.

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