Verwendungszweck: Scherze können Folgen haben

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 08.10.2015

Von „waffenfähigem Plutonium“ bis zur „Beseitigung der Schwiegermutter“: Beim Verwendungszweck ist der Kreativität nur die Zeichenzahl als Grenze gesetzt. Doch aus dem Scherz bei der Überweisung kann schnell Ernst werden: Banken können das Konto sperren, die Geschäftsbeziehung kündigen und sind verpflichtet, die Behörden zu verständigen.

„Waffenfähiges Plutonium“ trug ein 18-Jähriger aus Bayern vor einigen Jahren als Verwendungszweck für eine Überweisung von 40,02 Euro ein und erhielt als Quittung ein Mahnschreiben von der Bank – dieses kursiert nun seit Kurzem im sozialen Netzwerk „Twitter“. „Auch wenn wir davon ausgehen, dass der Verwendungszweck der Zahlung auch in Anbetracht des geringen Überweisungsbetrages scherzhaft gemeint ist, müssen wir dem Vorgang aufgrund gesetzlicher Verpflichtungen nachgehen“, heißt es in dem Brief. Die Bank droht dem Spaßvogel sogar mit einer Kündigung der Geschäftsbeziehungen, sollte er einen derartigen Scherz wiederholen.

Scherz beim Verwendungszweck kann zur Kontosperrung führen

Der Tweet entwickelte sich zu einem Lauffeuer und wurde mehr als 1.800 Mal geteilt. Unter dem Hashtag #verwendungszweck läuft ein Wettbewerb der witzigsten Betreffvarianten für die Überweisung: von „Abgasmessungssoftwaremanipulation“ über „FIFA Sonderzuwendung“ bis zu „Er hat überlebt, also nur die Hälfte“.  Für die Banken sind die Verwendungszweck-Späße jedoch weniger lustig. Sie sind verpflichtet, bei verdächtigen Begriffen die Behörden einzuschalten. Julia Topar, die Sprecherin des Bundesverbands deutscher Banken, warnt vor ernsthaften Konsequenzen: "Solche Scherze könnten dazu führen, dass die Polizei vor der Tür steht", wird sie von der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ) zitiert. Zudem behalten es sich die Institute vor, das Girokonto zu sperren oder die Geschäftsbeziehung zu kündigen.

Wie Banken die Überweisung prüfen

Um die zahllosen Transaktionen auf verdächtige Inhalte zu prüfen, setzen Banken eine Software ein. Sie legen Suchbegriffe fest, die ihnen teilweise vom Bundeskriminalamt (BKA) empfohlen werden und mit denen sie die Überweisungen screenen. Laut der Sprecherin des Bankenverbands bestimmt jede Bank selbst über die genaue Auswahl der Begriffe. Bei einem Treffer des Programms sieht sich ein Bankmitarbeiter die Überweisung genauer an. Entpuppt sich der witzig gemeinte Verwendungszweck nicht auf den ersten Blick als Scherz, ist die Bank dazu verpflichtet, die Strafverfolgungsbehörden einzuschalten. Tatsächliche Straftäter geben sich in der Regel jedoch eher nicht durch die Betreffzeile zu erkennen. Dem Bundeskriminalamt ist laut WAZ kein Fall bekannt, in dem der Verwendungszweck auf die Spur von Kriminellen geführt hat.

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