Verzicht auf Diesel wäre keine Klima-Absage

Autor: FinanceScout24 - Veröffentlicht am 07.07.2017

Im Gegensatz zu Benzinern belasten Dieselmotoren das Klima weit weniger – so zumindest lautete bislang das Argument zum Festhalten an den Selbstzündern. Nach Einschätzung des internationalen Umwelt-Forschungsverbunds ICCT sei der CO2-Ausstoß der Automobilbranche jedoch auch mit weniger Diesel-Verkäufen zu verringern. Die Lösung sieht die Organisation, die schon den Volkswagen-Diesel-Skandal aufdeckte, in alternativen Antrieben.

Bisher brachte die Industrie, zur Verteidigung des Diesels, die geringere Umweltbelastung gegenüber Benzinmotoren vor. Laut des internationalen Umwelt-Forschungsverbunds ICCT, der bereits maßgeblich an der Aufdeckung des Diesel-Skandals bei Volkswagen beteiligt war, läge die Lösung in alternativen Antrieben. Der CO2-Ausstoß der Automobilbranche wäre so auch mit weniger Diesel-Verkäufen in den Griff zu bekommen.

Es würde ohne Diesel gehen

Auch wenn weniger vergleichsweise klimafreundliche Diesel auf den Straßen unterwegs wären, so könnten die CO2-Ziele laut ICCT dennoch erreicht werden. Für die Experten führt der Weg zur Verringerung der Treibhaus-Emissionen über alternative Antriebe und eine Betrachtung der gesamten Flotte von Herstellern, nicht nur einzelner Modelle. Dem ICCT, dessen Analysen 2015 zur Aufdeckung des Diesel-Skandals bei VW beitrugen, komme es bei neuen und künftig zugelassenen Autos auf das Gesamtbild an. Dieselmotoren erzeugen bei vergleichbarer Leitung zwar weniger CO2 als Benziner, doch fällt der Ausstoß des Atem- und Umweltgiftes NOX schlechter aus.

Noch am Donnerstag erklärte die Organisation: „Auf Flottenebene - über alle Fahrzeugsegmente hinweg - sind die durchschnittlichen CO2-Emissionen neuer Diesel- und Benzinfahrzeuge nahezu identisch“. Pro Kilometer belaufe sich der Wert bei Dieseln auf 119, bei Ottomotoren auf 123 Gramm. Auf den ersten Blick zeigen sich zwar Vorteile, doch gibt der ICCT-Europa-Chef Peter Mock zu bedenken: „Die Effizienzvorteile werden häufig durch eine höhere Motorleistung und höheres Gewicht der Dieselfahrzeuge aufgezehrt.“

Die Debatte geht weiter

Indem Hersteller „effizientere Benzinfahrzeuge sowie Hybrid- und Elektrofahrzeuge anbieten“ würden, könnte sich die Umschichtung der Investitionen in komplexe Dieseltechnik sogar lohnen. Zuletzt hatte sich die Debatte um den schmutzigen Treibstoff weiter erhitzt, da nach den Dieselskandalen der ADAC von Kauf abgeraten hatte und über ein Fahrverbot für die Selbstzünder diskutiert wird. Dadurch mache sich unter den Kunden Verunsicherung breit.

Laut der Beratungsfirma E&Y steht der Dieselmarkt unter Druck: „Im Juni entschieden sich nur 38,8 Prozent aller Neuwagenkäufer für einen Selbstzünder – vor einem Jahr waren es noch 46,0 Prozent“. Zur Klärung der Debatte ist am 2. August ein „Diesel-Gipfel“ im Umweltministerium angesetzt worden.

Weitere Meldungen im Überblick

  • PSA darf übernehmen: Die EU-Kommission sieht den Wettbewerb in Europa nicht gefährdet – der Verkauf Opels, von General Motors an PSA, könnte schon Ende Juli stattfinden.
  • Gegen langsames Internet: Die Bundesnetzagentur reagiert auf Messungen, die ergaben, dass viele Anbieter nicht in der Geschwindigkeit liefern, die sie versprechen. Neue Kriterien sollen den Druck erhöhen.
  • Start-Up-Geldsegen: Laut einer Studie konnten deutsche Start-Ups im ersten Halbjahr so viel Risikokapital sammeln wie nie zuvor.

Quellen: Welt, Focus

Alle 2 Wochen Spartipps und News:

Newsletter abonnieren und gratis PDF erhalten!